Jahrgang 
85 (1982) / N.S. 36
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bei den Metallarbeiten die Herstellung von Schmuckstücken in Filigrantechnikund das Anfertigen von Trachtenknöpfen gezeigt. Unter den Holzarbeiten findenwir die Anfertigung von Alphörnern aus Birkenrinde und aus Krümmlingen derFichte und bei den Textilarbeiten die Anfertigung von Hausschuhen aus Restenvon Wollstoffen oder die Herstellung von Bettdecken aus aufgekrempelter alterWollbekleidung.

Die beigefügten Erklärungen greifen mitunter über die reine handwerkliche Ar-beit hinaus, und man erfährt z. B. als interessantes Detail, daß der Girschten-zaun" trotz des Aufwandes an Holz sparsam ist. Die Zaunstecken stehen zunächstzwanzig Jahre, werden dann gekürzt wieder so lange als Kreuzstecken" verwen-det, um zuletzt noch als kleine Zulage" weitere zwanzig Jahre Verwendung zufinden. Bei der Schindelerzeugung lesen wir, daß die Randstücke, die beim Spal-ten der Schindelrohlinge übrigbleiben, früher zu Leuchtspänen oder auch zu Holz-streifen für die Herstellung von Spanschachteln verarbeitet wurden.

Der zweite Teil des Buches, der sich mit der Handfertigkeit bei Gestaltung vonJahres- und Lebensbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Lebensbrauchtum beschäftigt, zeigt Bilder über die Herstellung vonGebildbroten, Prangstangen, Gewürzsträußlein, aber auch von Armbrüsten,Prangerstutzen u. dgl. m. Auch dabei wird mitunter auf Details eingegangen, wiez. B. beim Formen von Butterlämmchen frei mit der Hand. Für die Schafwolle"wird dazu weiche Butter durch ein grobes Leinentuch gepreßt und die sich dabeibildenden feinen Butterfäden mit Hilfe einer Stricknadel auf dem Butterlammlocker verteilt.

So zeigt das Buch eine Fülle von handwerklichen Tätigkeiten und von Handfer-tigkeiten auf, und es ist sehr erfreulich im Vorwort zu lesen, daß zum Aufspürendieser Tätigkeiten nicht zuletzt die Heimatmuseen beigetragen haben, in denensich Hinweise auf das traditionelle Handwerk in den einzelnen Gegenden Salz-burgs finden.

Franz Maresch

Forschungen in Stillfried. Hg. von Fritz Felgenhauer.(= Veröffentlichungender Österr. Arbeitsgemeinschaft für Ur- und Frühgeschichte, Wien.) Band 1,1974, 106 S., 26 T.(= Bd. VI); Band 2, 1976, 122 S., 43 T., 1 Karte(= Bd. IX); Band 3, 1978, 112 S., 46 T.(= Bd. X).

Was Hallstatt für Oberösterreich, bedeutet Stillfried an der March für Nieder-österreich. Die große späturnenzeitliche Wehranlage von Stillfried wurde zwarnicht namengebend für eine Epoche, die berühmte Tasse aus dem Gräberfeldstellt aber eine Leittype für die Übergangszeit von der Bronze- zur Eisenzeit( HaB3) und somit einen Fixpunkt für die Stratigraphie der Urgeschichte in Öster-reich dar. Was Stillfried aber auszeichnet, ist die ungebrochene Siedlungskontinui-tät vom Paläolithikum bis zur Gegenwart. Diesen weiten Bogen menschlicherKultur, an einem einzigen Ort konzentriert, versucht der Ordinarius für Ur- undFrühgeschichte, Fritz Felgenhauer, zu erfassen. Seit 1969 steht er dafür miteinem bewährten Team von Fachleuten Sommer für Sommer im Einsatz, um mitneuen wissenschaftlichen Methoden und Ausgrabungstechniken dem Boden neueErkenntnisse zu entreißen.

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