Literatur der Volkskunde
Da schau her. Beiträge aus dem Kulturleben des Bezirkes Liezen. Hg. vom Ver-ein„, Arbeitskreis für Heimatpflege“, Liezen, 1. Jg. 1980, 4 Hefte, ff., S 20,-/Heft.
Hinter diesem unkonventionellen Titel verbirgt sich eine ambitionierte Kultur-zeitschrift, die vom Umfang( 24 S.) und von der ansprechenden Aufmachung her( viele Abb.) geradezu als Kulturillustrierte zu bezeichnen ist. Als Herausgeberfungiert ein Arbeitskreis für Heimatkunde, dessen geistiges Zentrum sich imLandschaftsmuseum Schloß Trautenfels befindet, da unverkennbar sein Leiter,Volker Hänsel, zusammen mit Walter Stipperger und Heinz Lumpe, die Leitli-nien der Zeitschrift bestimmt. Es erscheint daher selbstverständlich, daß dieVolkskunde in diesem vierteljährlichen Periodikum einen breiten Raum ein-nimmt, wobei man mit Genugtuung feststellen kann, daß die Beiträge stets Neuesenthalten. Wer von den Volkskundlern hat schon gewußt, wie vielfältig dasBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum der„ Glöckler und Perchten im Steirischen Salzkammergut“ ist, eheder Leiter des Ausseer Heimatmuseums, Franz Stadler, im Heft 1/1981 darüberberichtete. Auf Grund dieser kleinen Monographie besuchte ich heuer am 5. Jän-ner die Balgerei der Berigl in Altaussee und konnte dabei feststellen, daß auchdie Einheimischen keine Ahnung haben, wie die Perchten in Lupitsch, Tressenoder in Göẞl aussehen. Und selbst mir gelang es nicht, das von Stadler erstmalsbeschriebene und bildlich bezeugte„ Glockenkreuz“ zu sehen. Aus diesem Bei-spiel wird deutlich, wie wichtig die lokale Forschung ist und welche Bedeutungeiner solchen regionalen Kulturzeitschrift beigemessen werden muß. Sie dientnämlich nicht nur als Publikationsorgan, sondern sie stellt auch einen wesentli-chen Animator für die regionale Forschung dar.„ Da schau her“ ist ein Spiegeldes kulturellen Lebens und Plattform für die Anliegen des Natur- und Denkmal-schutzes im steirischen Ennstal. Die Zeitschrift macht aber auch deutlich, überwelch potentes Reservoir an Mitarbeitern diese Region verfügt. Neben FranzStadler ist hier vor allem Walter Stipperger, der auch die Bibliographie desEnnstales besorgt, mit seinem Beitrag„, Gräber im Wandel der Zeit“( 4/1981) zunennen. Auch Ernst Nowotny läßt die Grabsteine reden- saxa loquuntur-, in-dem er an Hand der Epitaphe die Familiengeschichte der Praunfalk erhellt( 1/1981). Maria Erlbacher berichtet mehrfach über die Strickkunst aus dem steiri-schen Ennstal. Ihre Beiträge oder auch der über die„ Entstehung und Wandlungder Weihnachtskrippe“( 1/1982) dienen als Begleitveröffentlichung zu den jeweili-gen Ausstellungen im Landschaftsmuseum Schloß Trautenfels. Die enge Bezie-hung der Zeitschrift zum Museum unterstreichen die ausführlichen Berichte von
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