neben Altötting einstmals bedeutendste Gnadenstätte ULF im spätbarockenAltbayern, im 18. Jh. A. A. Gribl hat es sich in seinem gewichtigen opus wahr-lich nicht leicht gemacht, als er intensive Archivstudien mit ausgedehnten Feld-forschungen innerhalb und außerhalb Bayerns zu dieser monographische Gesamt-schau verband, die keinem( in der Wallfahrtsforschung nach Rudolf Kriss,Gustav Gugitz, Leopold Schmidt und Torsten Gebhard allzuoft nachge-bildeten) Klischee folgte. Sehr genau unterscheidet Vf. den„, Kult", die Genesisder Vorstellungen vom„ hl. Berge", die Fragen der Frühformen des DorfenerMarienkultes nach der( nicht bestätigten) Volksüberlieferung des Spätmittelalters,seiner Gründungslegenden usw. Genaue Archivbelege sichern die barocken An-fänge im zweiten Drittel des 17. Jh., ihre wesenhaften Zusammenhänge mit( Rosenkranz-) Bruderschaften, Karfreitagsprozessionen, mit ,, Zeichen“ und,, Gnadenerweisen", mit der individuell gezielten Kultförderung durch Weltgeist-liche ab dem ausgehenden 17. Jh.
Eindrucksvoll das Kapitel über die religiöse überregionale Kultdynamik" mitden Wegen der Gnadenbild- ,, Kopien" und deren Funktionsstufen. Die( Erz-) Bistümer Freising, Salzburg, auch Berchtesgaden, das bayerische Innviertel,Kaiser- Ebersdorf bei Wien, Ausstrahlungen bis in den südweststeirischen Sausal( St. Nikolai im Sausal, Bezirk Leibnitz), nach Vorarlberg( Tisis bei Feldkirch) undnach Mindelheim: dies alles ist aus der Archivierung und aus der Literatur erfaßt,fast durchwegs eben auch selbst erwandert, an lokalen Quellen und Traditionenüberprüft.
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Daran schließt sich als II. Teil„ Die Wallfahrt zu ULF zu Dorfen“( S. 227 ff.)mit Genauerem, mit statistisch aus den Mirakelbüchern erhobenen Feststellungenzu den ,, Traditionswallfahrten", deren Gruppierungen eben auch einer soziologi-schen Aufschlüsselung nach Zusammensetzung, Herkunft, Sozialständen, Vota-tionsanlässen und-formen des religiösen Brauchtums Glossary ::: show glossary-entry Brauchtums unterzogen erscheinen. Be-griffsklare Bestimmungen über, Geistliche Sachen" im Votations- Alltag( Ampelöl, Schabefiguren u. ä.) reihen sich an. Ihnen folgen Beobachtungen zur( oft erstaunlich schwankenden) Wallfahrtsfrequenz und im Zusammenhang damitzum wirtschaftlich sich auswirkenden Marktleben im Zeichen der Wallfahrt,ehe Aufstellungen, Karten, Diagramme, ein reiches Verzeichnis ungedruckter wiegedruckter Quellen und eine reichhaltige Literaturübersicht das so sehr anerken-nenswerte, durch Register bestens erschlossene Werk abrunden.
Und doch wird sich der nachsinnende Rezensent aus seinen eigenen Aufzeich-nungen zumal der steirischen Wanderjahre fragen: wieviel mag neben dem hiernoch als ,, Erbe der Heimat" Geborgenen verloren gegangen sein? Gemeinsamwaren A. A. Gribl und ich im schon genannten St. Nikolai im Sausal. Hier hat
sich ja seltsam vereinzelt! ein Seitenaltar mit dem Gnadenbild über einer
weiten Hügellandschaft als Kopie( vermutlich nach dem Kupferstich von E. Ch.Heiß von 1720; bei A. A. Gribl Abb. 3) nach Maria Dorfen erhalten. Das Bild( etwa 100x80 cm) mit der Jahreszahl 1716, aber eingelassen in einen klassizisti-schen, um 100 Jahre jüngeren Rahmen, trägt die Inschrift: BEATISSIMAVIRGO MATER DEI MARIA/ MIRACVLOSA IN DORFEN. 1716, verrätdennoch nichts über Anlaß und genaue Aufstellungszeit in dieser Kirche der einst
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