Unter der zielbewußten Leitung von Erhard Riemann sind seit unserer letztenBesprechung schon wieder drei weitere Jahrgänge erschienen, die wie ihre Vor-gänger gute Beiträge aus dem ganzen weiten deutschen Osten enthalten. Man magetwa die Sagenwelt vornehmen, und findet Beiträge von Konrad Wytych( Berg-mannssagen in Oberschlesien) oder von Alfred Cammann( Fenisleute in derSagenwelt des Odergebirges). Dann Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum, wie etwa von Richard Wolf-ram( Die Hochzeitsbräuche in Deutsch- Pilsen) oder Walter Hartinger( Marien-, Wenzel- und Nepomukwallfahrten in Böhmen). Oder Bildende Volks-kunst, so etwa von Georg Bernatzky( Die Hinterglasmaler- Familie Rohrbachin Kaiserswalde, Schlesien) oder von Josef Lanz( Die Krippenschnitzer- FamilieWittig, Grafschaft Glatz). Auch das Gerätewesen kommt zur Geltung, etwa in denBeiträgen von Erhard Riemann( Der Klingerstock in Ost- und Westpreußen)oder von Dietmar Wagner( Bäuerliche Arbeitswagen in Ost- und West-preußen). Man sieht, vielfach Themen, die auch bei uns behandelt wurden undwerden.
Darüber führen nicht selten forschungsgeschichtliche und methodische Aufsätzehinaus, so beispielsweise von Hans- Achim Schubert( SiebenbürgischeEmigrantenvereine in Deutschland, Österreich und den USA) oder von RolfWilhelm Brednich( Zur Anwendung der biographischen Methode in der volks-kundlichen Feldforschung). Auch auf den Beitrag von Karl Ilg( Vom Zillertalüber Schlesien nach Chile- Wege deutscher Auswanderer- Zur 125- Jahr- Feierder Tiroler in Chile) soll in diesem Zusammenhang hingewiesen werden. MancheBeiträge versuchen, Themen zu erfassen, die sich vielleicht noch gar nicht so rich-tig greifen lassen, so etwa Konrad Wytych mit seiner„ Eingliederung jugend-licher Spätaussiedler aus den Staaten des Ostblocks in der BundesrepublikDeutschland". Über diese Problematik gehen die gediegenen Untersuchungenvon Ulrich Tolksdorf hinaus, der sich wieder mit einem seiner Hauptarbeits-gebiete beschäftigt:„ ,, Essen und Trinken in alter und neuer Heimat- Zur Fragedes Geschmacks- Konservativismus“.
Von besonderer Wichtigkeit sind wie immer die biographischen Beiträge, alsoNachrufe und Würdigungen. In diesem Fall hat Horst Kühnel zum Gedächtnisvon Hertha Wolf- Beranek geschrieben, und Anton Tafferner über Eugen vonBonomi, der für die ungarndeutsche Volkskunde doch viel bedeutet hat. WernerVetter hat den Nachruf für den bedeutenden Oberschlesier Alfons Perlick ver-faẞt. Man merkt, wie hier allmählich eine ganze Generation dahingeht, die nochganz persönlich mit dem Geschehen um und nach dem zweiten Weltkrieg ver-bunden war. Es ist vielfach eine recht unglückliche Geschichte, und diejenigen,die sich allen Widerwärtigkeiten zum Trotz damals wie später immer wieder derVolkskunde verschrieben hatten, haben es größtenteils lange Zeit recht schwergehabt, menschlich vielleicht noch mehr als sachlich, denn im sachlichen Bereichkonnte ihnen doch manche Hilfe geboten werden. Wer dieses umfangreiche Kapi-tel unserer Sammlungs- und Forschungsgeschichte einmal zusammenfassend dar-stellen wird, dem wird besonders in diesen Nachrufen des verdienstvollen ,, Jahr-buches" viel an Stoff geboten sein. Manchmal sogar nicht nur persönliches Ge-denken, sondern auch mehr oder minder ausführliche Bibliographien, die ja docham ehesten und objektivsten weiterhelfen werden.Leopold Schmidt+
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