Serbisch- orthodoxes Totengedenkenzwischen Überlieferung und Neuprägung
Ohne daß wir
Von Leopold Kretzenbacher
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( Mit 4 Abbildungen)
wie bei den meisten Völkern außereuropäischerKulturen, in Asien wie in Afrika etwa von ,, Ahnenkult“ sprechenkönnten, gehört gleichwohl das Gedenken an die Verstorbenen,zumal an jene der eigenen Sippe, der Familie, zu den Grundhaltungengeistigen Lebens bei wohl ausnahmslos allen abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischenVölkern. Dies verstärkt vor allem bei jenen, die fast bis in die Mitteunseres Jahrhunderts herein von einer stark patriarchal- gentilen Le-bensform geprägt erscheinen. Diese äußert sich vielfältig und ebennicht nur in der zumeist dafür vordergründig herangezogenenHelden- Idealisierung mit der entsprechenden Epik und mit über fastGesamteuropa gehenden Sag- Überlieferungen als wesentlicher Aus-drucksform ihres ,, Geschichtsdenkens" als Mentalität. Serben, Mon-tenegriner( Crnogorci) und Slawo- Makedonen orthodoxen Bekennt-nisses( pravoslavci) sowie die mit und neben ihnen wohnenden Alba-ner, zu einem geringeren Teile ebenfalls christlicher, jedoch zwischenOrthodoxie und Katholizismus geteilt, in der Mehrzahl jedoch so wiedie Bewohner Bosniens und der Hercegovina mohammedanischer Glossar ::: zum Glossareintrag mohammedanischerReligionszugehörigkeit geben ein kennzeichnendes Beispiel sowohl fürdie immer noch, d. h. auch im sozialistischen Jugoslawien hochstili-sierte ,, heroische Lebensform" ¹) als auch für die Eigenart ihresTotengedenkens. Das Letztgenannte ist auch heute noch für breiteund nicht nur für ,, ländliche" Bevölkerungskreise dieser Land-schaften kennzeichnend. Es ist für ihr Verhalten im Rahmen der Sitte„ verbindlich“. 2) Dem im Suchen nach einer Vergleichenden Volks-kunde für die erstrebte Ethnologia europaea heute im Südosten
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