Besonders interessant ist im zweiten Teil die Darlegung der verschiedenen etymo-logischen und semantischen Deutungen im Anschluß an die angenommene Aus-gangsform ,, calenda“. Auf Seite 389 finden wir die verschiedenen Bezeichnungen für,, colinda" im Slawischen, Ungarischen, Griechischen, Albanischen und Romani-schen sowie Litauischen. Reichhaltig sind die unterschiedlichen Textbeispiele, dochfehlen leider die Melodien.
Die Bibliographie umfaßt 14 Seiten, hinzu kommen noch die Verweise von Bîrlea,doch ließe sich noch mancher Titel anfügen. Bedauerlich ist die schlechte Bildquali-tät, wobei freilich zu berücksichtigen ist, daß es sich um alte Fotografien handelt, diemanches festgehalten haben, was heute nicht mehr tradiert wird. Es ist auf jeden Fallerfreulich, daß dieses in der polnischen Sprache schwer zu findende Buch nun aufrumänisch wieder vorliegt. Eine wenigstens auszugsweise deutsche Übersetzungkönnte die Kenntnis der Weihnachtsbräuche im Osten zum Vergleich mit den mittel-und westeuropäischen Erscheinungsformen anregen.
Felix Karlinger
Luigi Tacconelli, Il libro dei Lali. L'Aquila, Japadre Editore, 1984. 205 Seiten.Das Lalebuch, berühmter Vorläufer des Volksbuches von den Schildbürgern,steht mehr am Ende der Schwanksammlungen der Renaissance in Deutschland,doch gehört es neben Till Eulenspiegel zu den am meisten verbreiteten und populärgewordenen Werken dieses Genres. Die Satire von der menschlichen Narrheit wirdnicht an einem einzelnen Exemplar, sondern an einer ganzen urbanen Gesellschaftablesbar gemacht. Tacconelli hat sich im letzten Jahrzehnt als ein glänzender Kennerund Interpret der Volksbücher des 16. Jahrhunderts vorgestellt, und auch in der brei-ten Einführung sowie in der mit Akribie durchgeführten Textdeutung zeigt sich wie-der seine glückliche Hand für die Darstellung dieser literarischen Gattung. Erst aufGrund dieser Unterweisung wird klar, wie wortreich und gewandt der Autor die ver-schiedenen Sprachebenen seiner Zeit und ihrer Gesellschaftsschichten zu parodierenverstanden hat. Es geht ja im Lalebuch nicht nur um den grotesken Inhalt mit vielenkomischen und drastischen Szenen, sondern bereits die Sprache als solche versuchtzu karikieren und durch Übertreibungen witzig zu wirken. Daß eine solche Persi-flage mit schon barock wirkenden Wortballungen nicht leicht zu verstehen,geschweige zu übertragen ist, versteht sich von selbst. Tacconelli ist die Umsetzungins Italienische gut gelungen.
Zur umfangreichen Bibliographie wäre höchstens noch die in Buenos Aires 1954erschienene spanische Ausgabe mit Einleitung von Juan Draghi Lucero zu nennen.Das Buch ist hinsichtlich seiner Kritik brauchtumsartiger Glossary ::: show glossary-entry brauchtumsartiger Phänomene des späten16. Jahrhunderts auch für die Volkskunde interessant und aufschlußreich.
Felix Karlinger
Struktur
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Ingrid Spörk, Studien zu ausgewählten Märchen der Brüder Grimm.FrauenproblematikRollentheorie- Psychoanalyse Überliefe-rung- Rezeption(= Hochschulschriften Literaturwissenschaft, Band 66). Mei-senheim, Verlag Anton Hain, 1985, IX, 280 Seiten.
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