Volume 
88 (1985) / N.S. 39
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erotischen Szenen die Spontaneität und Offenheit. Natürlich darf unter diesen Bal-laden auch eine der berühmtesten katalanischen nicht fehlen, die vom ComteArnau", einem Wiedergänger, der kommt, um seine Frau in die Hölle zu zerren, wasihm aber nicht gelingt. Das Motiv ist fast im gesamten Gebiet des katalanischenIdioms verbreitet und war mehrfach Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchun-gen.

Enthält der 5. Teil Volkslieder des Karnevals, so bietet der 6. Teil einen Überblicküber das reichhaltige Gut religiöser Gesänge, von Varianten der berühmten Prophe-zeiungen ,, La Sibil·la über die Klagelieder der Karwoche bis zu den verschiedenenHeiligenliedern. Der 7. Teil endlich bringt Wiegen- und Kinderlieder, der 8. Volks-lieder verschiedenen Inhalts.

Die Schwierigkeit rhythmischer Wechsel ist von der Notation gut festgehalten,problematisch muß jedoch die Aufzeichnung melismatischer Details bleiben, vorallem, weil unser Notensystem die Zwischentöne und Portamenti nicht exakt wieder-zugeben vermag.

Für die mallorquinische Volksmusik ein grundlegendes Werk.

Felix Karlinger

Petru Caraman, Colindatul la Români, Slavi şi la alte popolare. Studiude folclor comparat. Ediţie îngrijită de Silvia Ciubotaru; Prefaţă de Ovidiu Bîrlea.Bucureşti, Editura Minerva, 1983. XXV, 635 Seiten, 16 Tafeln.

Das Werk von Caraman, eine grundlegende Veröffentlichung zu den Weihnachts-und Neujahrsliedern und Brauchtum Glossary ::: show glossary-entry  Brauchtum im Osten und Südosten, war bisher nur den Sla-wisten und slawischsprachigen Volkskundlern geläufig, da die erste Ausgabe 1933 inpolnischer Sprache erschienen ist. Nun liegt das Buch erstmals auch auf rumänischvor, doch sollte der Autor diese Edition leider nicht mehr erleben.( Caraman ist 1980verstorben.) Bîrlea erzählt in seinem Vorwort zum Teil die Geschicke der berühm-ten Sammlung und ihrer Veröffentlichung. Der Titel zeigt nur sehr begrenzt an, wasCaraman alles an Materialien eingebracht und an Untersuchungen und Deutungenvorgenommen hat. Allein schon die Zahl der Fußnoten- 1800- deutet an, welcheFülle von wissenschaftlichen Forschungen hier gespeichert worden ist und in welchergeographischen Breite der Ansatz erfolgt.

Es ist wohltuend, daß ohne nationalistische Ansprüche und ohne Sentimentalitä-ten ein Großraum volkskundlich erfaßt und vergleichend betrachtet wird, derebenso die gemeinsamen Züge wie die regionalen Eigenheiten herausstellt.

Bîrlea betont mit Recht die doppelte Akzentuierung des Werkes auf den Typusder Colinde einerseits und auf die ethnographischen Brauchtumszüge Glossary ::: show glossary-entry  Brauchtumszüge andererseits.Caraman, der sein Opus selbstverständlich im Original rumänisch geschriebenhatte, versucht, bis ins Detail die Gattung der Colinde aufzugliedern und einzutei-len. Diese zwanzig Untergruppen aufzuzählen, müssen wir uns hier versagen, dochsoll darauf verwiesen werden, daß auch ein so relativ fest umrissener Typus je nachseiner Funktion und nach der sozialen Zuordnung seiner Sänger sich aufspaltet. VielFormelgut ist über die Grenzen der Staaten und der sozialen Gruppen hinweggemeinsam.

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