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88 (1985) / N.S. 39
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Pubertätskrise und Liebesschmerz derGymnasiasten im Biedermeier

Eine exemplarische Studie an Hand vonautobiographischen Quellen

Von Renate Müller

Das Interesse an verschiedenen Aspekten des Lebenslaufes undam Umgang mit autobiographischen Quellen ist während der letz-ten Jahre innerhalb der Volkskunde deutlich gestiegen. Ein Aus-druck hiefür dürfte wohl die volkskundliche Hochschullehrer-tagung in Freiburg i. Br. 1981 über Lebenslauf und Lebenszusam-menhang" gewesen sein. Das Thema dieser Tagung gibt in etwa denRahmen an, in dem meine inzwischen abgeschlossene Magister-arbeit steht.

Gegenstand der Untersuchungen sind die Liebeserfahrungenjugendlicher Gymnasiasten bürgerlicher und kleinbürgerlicherHerkunft.( Während der Biedermeierzeit besuchten nur Jugendli-che männlichen Geschlechts das Gymnasium!) Als Primärquellendienen 109 Autobiographien und Tagebücher, die ein Bild vomVerlauf der Jugend im deutschsprachigen Raum zur Zeit des Bie-dermeiers vermitteln. Die Untersuchungen beschränken sich aufden städtischen und kleinstädtischen Bereich. Diese Eingrenzungentspricht dem Rahmen, in dem sich die Liebeserlebnisse derdamaligen Gymnasiasten vorwiegend abspielten.

Ziel der Untersuchung ist die Darstellung des Liebeserlebensjugendlicher Gymnasiasten als gesellschaftlich vermitteltes Phäno-men, das heißt, die Äußerungen des Verliebtseins werden- soweites die Quellen ermöglichen auf ihre gesellschaftlichen Ursachenzurückgeführt. Diese Aufgabenstellung erfordert neben derBeschreibung des Liebeserlebens auch die Untersuchung von

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