Stück erforderlichen Geräte wurden so eingeschoben, desgleichen der auswechsel-bare Hintergrund. Dies alles war gemalt und auf Pappe aufgeklebt.„ Schneewitt-chen" war für mich jedenfalls der Höhepunkt und ist mir besonders in Erinnerung:das schöne Schneewittchen in seinem„ gläsernen" Sarg, die sieben Zwerge, die böseStiefmutter mit dem Spiegel- alles war großartig. Mein älterer Bruder durfte denVorhang bedienen und sprach gemeinsam mit unserer Mutter die Texte. Ich weißnoch genau, wie das Hochziehen des Vorhanges mich jedesmal in Spannung ver-setzte. Befreundete Kinder, Onkel und Tanten vergrößerten unser Publikum. Wirklatschten am Schluß eifrig, so daß wir viele„ Vorhänge" hatten( die zwar nichtimmer ganz funktionierten).
Rückblickend möchte ich sagen, daß vielleicht diese kleine Bühne in uns dreiGeschwistern das Interesse am Theaterbesuch, an der Theaterliteratur und an denSchauspielern begründet und uns sehr bereichert hat. Es ist ein Interesse, das mir bisin mein jetziges hohes Alter geblieben ist. Leider kann ich das Theatergeschehennur noch im Fernsehen und Hörfunk, in Zeitungen und Zeitschriften verfolgen. DasAufgehen des Vorhanges in unserem kleinen„ Theater" hat in mir, wie auch in mei-nem Bruder und meiner Schwester, die Liebe zum Theater geweckt, was unserLeben bereichert.
,, Kolophoniumblitze❝*)
Von Karl Ziak
Wie schön, einer Erinnerung an meine Kinderzeit zu begegnen! Ich hatte zweiPapiertheater, selbst gebaut, das erste schon als Volksschüler( vor dem Ersten Welt-krieg). Die Grundlage war eine Zuckerkiste, die, entsprechend umgenagelt, zurAufbewahrung der zerlegbaren Konstruktion und nach deren Aufbau als Boden derBühne diente. Proszenium, Kulissen, Hintergründe und Figuren bezog ich vonTrentsensky auf dem Stephansplatz. Alles wurde auf Sperrholz geklebt und mit derLaubsäge ausgeschnitten. In der zweiten Mittelschulklasse begeisterte sich einermeiner Freunde derart für das Theaterspielen, daß wir ein neues, technisch verbes-sertes Theater bauten. Die Figuren wurden nicht mehr mit Schnüren von oben, son-dern auf Standbeinen bewegt usw. Wir spielten den„ Freischütz“, genau nachWebers Text. Die Höhepunkte waren die Wolfsschlucht mit Kolophoniumblitzenund der„ Jungfernkranz Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfernkranz", auf einem Werkel begleitet.
*) Leserzuschrift auf einen Bericht in der„, Bühne“( Heft 3/1986) über die Ausstel-lung„ Papiertheater" im Österreichischen Museum für Volkskunde.
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