fuẞte vor allem auf zwei Elementen: einem sozialwirtschaftlichen( der Dynamik derArbeitsproduktion) und einem politisch- finanziellen( den im Industrie- und Agrar-Pastoral- Bereich aufgewandten Investmitteln). Die im gesamten Berufsleben statt-findenden Wandlungen und Neuerungen fanden ihren Widerhall in der Bevölke-rungsstruktur und in der Typologie der Siedlungen."
Gerade diese Gegenüberstellung von gestern und heute ist aufschlußreich.
Zu bedauern ist lediglich, daß die Abbildungen in ihrer fototechnischen Qualitätnicht der Gediegenheit des Werkes entsprechen.
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Felix Karlinger
Hella und Erik Pflanzer( Fotos) Werner Schneider( Text), Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum undFeste in Österreich. Innsbruck, Pinguin- Verlag, 1985, 156 Seiten mit 160Farbbildern, 22 Zeichnungen und einer Karte.
Zu Recht stehen in der deutschsprachigen Ausgabe dieses Buches( das gleichzeitigin englischer Sprache erschienen ist: Festivals and traditions in Austria) die Bildauto-ren an erster Stelle. Technisch gelungene Aufnahmen und ein ansprechendes Layoutzeichnen diesen sicherlich speziell für Fremde gedachten Bildband aus. Das im Vor-wort formulierte Ziel,„ dem Leser und Betrachter die Feste und lebendigen BräucheÖsterreichs in der heute noch existierenden Form und Ausdrucksweise näherzubrin-gen", wäre mit dem Brauchtumskalender Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumskalender im Anhang, einem weiterführenden Lite-raturverzeichnis( auf das leider verzichtet wurde) sowie einem begleitenden Kurz-text leicht zu erreichen gewesen. Der Autor dieser Beschreibungen, laut Klappen-text ein Volkskundler, glaubt aber offensichtlich, mehr bieten zu müssen, denLesern Erklärungen schuldig zu sein, wiewohl die neuere Brauchforschung( verbun-den mit Namen, wie H. Bausinger, H. P. Fielhauer, L. Kretzenbacher, H. Moser,I. Weber- Kellermann, um nur einige der Wissenschafter zu nennen, deren Erkennt-nisse in den Text hätten einfließen müssen) seine Stärke wohl nicht ist. Man findetdaher: Relikte aus grauer Vorzeit, heidnische Glossar ::: zum Glossareintrag heidnische Kulthandlungen und Kultelemente,Vegetationsgeister, Dämonen, alte Germanen... und, noch konkreter: den,, Brauch des Winteraustreibens aus altgermanischer Zeit“ als Erklärung für dasImster Schemenlaufen( S. 49), den ebenfalls„ altgermanischen" Antlaẞritt( S. 76)oder den„, heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischen Brauch" des Ebenseer Glöcklerlaufens( S. 14). Auch dasSchleicherlaufen in Telfs wurzelt in„ heidnischer Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischer Zeit“( S. 53)- da hätte der Tiroler(?) Autor wirklich nur Wolfgang Pfaundlers Monographie über diesen Brauch in dieHand nehmen müssen, um festzustellen, in welcher Zeit es tatsächlich„ wurzelt"( was übrigens von der urkundlichen Erwähnung im Jahre 1749 zu halten ist, das kannjüngst bei Wolfgang Brückner nachgelesen werden: Zeugnisse zu„, Kirche undFasching", in: Jahrbuch für Volkskunde, N.F. 8, 1985, S. 237 ff.).Doch genugder noch beliebig vermehrbaren- Beispiele, welche trefflich jenen„, Forschungs-stand" widerspiegeln, wie ihn eine bestimmte Richtung bis 1945( und manchmalauch noch danach) vertreten hat. Deren ahistorische und vorwissenschaftliche,, Ergebnisse“ behindern bis heute ernsthafte volkskundliche Forschung schon alleindadurch, daß sie noch immer in manchen Medien und Büchern wie diesem einemstaunenden Publikum als„ gültig“ verkauft werden. Mehr ist zu diesem wissenschaft-lich belanglosen Band nicht zu sagen. Schade jedenfalls, daß man den guten Bildernnicht auch einen vertretbaren Text beigegeben hat.
Olaf Bockhorn
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