Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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dung die Kleidung ebenfalls verändern kann, während die Tracht über längere Zeitdie gleiche Formensprache einhält. Auf dieses ,, Stehenbleiben von Moden" wirdhingewiesen und Beispiele aus der Priesterkleidung, die ihren Ursprung in den römi-schen Gewändern hat, gebracht. Aber auf eine Sonderentwicklung der Volkstrach-ten wird nicht weiter eingegangen, und sie soll auch nicht vorhanden sein. Mit dieserBegründung soll die Kleidung primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiver Völker auch einem modischen Wandelunterliegen. Wohl können je nach Klimalage Schutz- und Schmuckfunktionen wech-seln und die Formensprache ändern, aber sie werden danach lange Zeit in gleicherWeise getragen, da sie ja Zeichen geworden sind und schwer von einer Mode geän-dert werden können. Wohl erkennt König auch bei dem schnellen modischen Wan-del ein zeitweises Beharren an, das teilweise auf dem wirtschaftlichen Abtragenvon Kleidungsstücken beruht.

Am Schluß dieses Buches setzt sich König noch mit politischen Gegebenheiten,wie der Bedeutung der Mode in den beiden deutschen Staaten mit den unterschied-lichen Lebensformen, ebenso wie mit der Entfremdung der europäischen Lebens-weise durch indische Orden auseinander, wobei wiederum die Funktionen der Modein sehr weiten Gebieten des Lebens gesehen werden. In diesem Zusammenhangwäre es interessant, die Gründe zu erfahren, warum jetzt in so vielen fremden Kultu-ren die angestammten Trachten durch europäische Kleidung ersetzt werden. Dochwurden diese Fragen nicht eingehend berücksichtigt.

Im ganzen gesehen gibt dieses Buch viele Anregungen, das tägliche Leben unterden darin behandelten sozialpsychologischen Aspekten zu beobachten und darausSchlüsse zu ziehen.

Ingeborg Petrascheck- Heim

Hans Joachim Hoffmann. Kleidersprache. Eine Psychologie der Illustration inKleidung, Mode und Maskerade. Mit Fotos von Anno Wilms. Frankfurt/ M.-Berlin Wien. Ullstein, 1985.

Es ist bekannt, daß die Kleidung der Menschen etwas aussagt, indem sie Zeichensetzt für die Zugehörigkeit zu einem Volk, Stamm, Dorf, Stand usw. Die Kleidungdieser verschiedenen Gruppen wird mit dem Begriff Tracht bezeichnet.

Nun aber können mit der Modekleidung, da sie mehr individuell beeinflußbar ist,viel differenziertere Aussagen gemacht werden. H. J. Hoffmann gibt in dem Unter-titel seines Buches Eine Psychologie der Illusion in Kleidung, Mode und Maske-rade" die individuelle Erweiterung der Kleidersprache an. Besonders interessierteihn, in der Auswahl der Maskentypen die Bloßstellung der verdrängten Sehnsuchtder Menschen unserer Zeit herauszulesen. Die Darstellung der ausgewähltenKostümrollen beruht auf den Gegensätzen männlich oder weiblich, Tarnung oderZurschaustellung, Dominanz oder Hingabe, Macht oder Unterordnung. In Tabel-len, die für den Außenstehenden schwer verständlich sind, hält er seine systemati-schen Beobachtungen dazu fest.

Geben die Maskentypen außergewöhnliche Aussagen dem Psychologen, so zeu-gen die in den Kapiteln Bekleidungsvorlieben behandelten Gegensätze, wie sport-lich aktiv oder korrekt und unauffällig, einfach oder elegant angezogen, von demWillen des einzelnen, im normalen Leben sich anderen mitzuteilen. Hoffmann siehtsehr viele Möglichkeiten, Kleidungsbotschaften auszusenden, aber ohne auf die

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