schriftlichen Aufzeichnungen des albanischen Naturrechts, da das ungeschriebeneGesetz von Generation zu Generation mündlich vermittelt wurde und daher vor-nehmlich Rechtsgrundsätze enthielt, welche auch eine Auslegung im Rahmenmoderner Technik nach ihm möglich machten( Sprengstoff als Waffe, Telefon usw.).Für den Folkloristen ist darüber hinaus wertvoll, die durch jahrelange Beschäftigungmit der Materie im Lande selbst erworbene Kenntnis der Anwendung des albani-schen Rechts in der Praxis selbst, ja sogar unter Umständen die eine besonders großeVorsicht erforderten, wie z. B. unter den außergewöhnlichen Umständen des Zwei-ten Weltkrieges.
Peinsipps Arbeit ist vermutlich die letzte ihrer Art, die Zustände im Shqipetaren-land vor deren endgültigem Verschwinden aufzeichnet. Denn daß auch dem albani-schen Gewohnheitsrecht keine Zukunft beschieden sein wird, darüber ist sich derVerfasser klar. Es müsse nun an den Albanern selbst liegen, wie auf dem Gebieteder Folklore selbst die archäologischen Reste, soweit dies noch möglich ist, auszu-graben, zu werten und der Nachwelt zu überliefern.
Robert Schwanke
Josef Wichner, Im Schneckenhause. Ein Volksroman. Bearbeitet vonElmar Haller und Herbert Wehinger. Herausgegeben vom Franz- Michael- Felder-Verein. 1. Bd. Bregenz, 1985, Kommissionsverlag H. Lingenhöle& Co.,341 Seiten.
Schon die verdienstvolle Wiederherausgabe des vollständigen Werkes des Bre-genzerwälder Dichters und Sozialreformers Franz Michael Felder hat auch außer-halb von Vorarlberg für großes Interesse gesorgt. Dies darf auch für die geplanteTeilwiederherausgabe des dichterischen Schaffens von Josef Wichner erwartet wer-den. Die projektierte siebenbändige Edition konzentriert sich naturgemäß auf Vor-arlberg, wenn auch das Schaffen von Wichner darüber hinausging. Einen Großteilseines Lebens verbrachte er als Gymnasialprofessor in Krems, wo er auch als Schrift-leiter der Monatszeitschrift„ Volksbildungsblätter“ tätig war. Der erste, nun vorge-legte Band enthält die Kindheitserinnerungen Wichners. Neben dem allgemeinhohen Interesse an Autobiographien zur Darstellung des Alltags, ist das Buch volks-kundlich v. a. aus zwei Gründen interessant:
Zum einen wird der Lebensweg von Wichner nachgezeichnet, der auch ein StückGeschichte der Volkskunde enthält. Sah sich doch der Dichter selbst als„ Volks-schriftsteller" bzw. als ,, Volksbildner" und war damit einer der zahlreichen Vertreterder..literarischen" Volkskunde. Sein Beitrag an der Volkskultur, so meinte er selbst,könne nicht in der wissenschaftlichen Erforschung, sondern in der Schilderungbesonderer Züge des ,, Volkslebens" liegen, welches er in Anlehnung an die Heimat-kunstbewegung an Sitte und Brauch, an Sagen als besonderen Ausdruck aleman-nisch- vorarlbergerischer Stammesverwurzelung festmachte. Zu dieser OrientierungWichners mag sein Vorbild, der Sagensammler F. J. Vonbun, ebenso beigetragenhaben, wie sein Lehrer an der Innsbrucker Universität, Ignaz Zingerle, oder der stei-rische Dichter Peter Rosegger, mit dem er zusammengetroffen ist.
Anderseits sind die Erinnerungen Wichners kulturhistorische Quellen ersterGüte, die die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts am Beispiel seiner Kindheit erzäh-len. Sie enthalten neben detaillierten Erwähnungen des kirchlichen und weltlichenJahresbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Jahresbrauchtums, der Volksfrömmigkeit usw. v. a. die großen Veränderungen
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