Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
Einzelbild herunterladen
 

habe während meiner Sammlertätigkeit feststellen können, daß ungarische bäuerli-che Märchenerzähler aus Ketesd( Kalotaszeg) Benedeks Heldenmärchen für Schul-kinder in Männergesellschaften bei der Arbeit und in den Schlafsälen der Kasernenauf ungarisch erzählt haben und daß János Berki, ein zweisprachiger Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeuner ausNógrádvarsány, seinen Zigeunerzuhörern Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeunerzuhörern diese als Prototyp eines Heldenmärchensfür Erwachsene bald auf ungarisch, bald auf zigeunerisch Glossar ::: zum Glossareintrag  zigeunerisch erzählte. Frau Fábián, eineUngarin aus der Bukowina, die seit dreißig Jahren in Kakasd lebt, hat als gewandteMärchenerzählerin einen Teil von Benedeks Heldenmärchen für Vorschulkindernoch weiter verkindlicht und vereinfacht.( S. 199.)

Das Buch ist eine erfreuliche Bereicherung nicht nur um Märchentexte, sondernauch für unser Wissen über das Wesen der Volksliteratur überhaupt.

Felix Karlinger

Enrica Delitala, Fiabe e leggende nelle tradizioni popolari della Sar-degna.(= Lingua e Cultura 1.) Sassari, 2D, Editrice Mediterranea, 1985, 149 S.A. M. Cirese und seine Schülerin und Nachfolgerin auf der Lehrkanzel für Volks-kunde in Cagliari haben spät, jedoch intensiv, eine Bestandsaufnahme der sardi-schen Volkserzählungen und Volkslieder unternommen. Neiderfüllt blickt man ausÖsterreich auf die Titel von 18 Dissertationen, die im bibliographischen Teil desWerks aufgeführt sind und knapp eineinhalb Jahrzehnte umspannen. So konnte dieKollegin Delitala in ihrer Anthologie von 113 Texten 58 Erzählungen vorlegen, diedurch Studenten zumeist in den siebziger Jahren aufgenommen worden sind. Darausdarf man entnehmen, daß die Vitalität der Volkserzählung auf der Insel Sardiniendoch stärker ist, als man es vor zirka drei Jahrzehnten angenommen hätte.

Leider sind nur acht Texte und zwei fragmentarische- zweisprachig, d. h. insardischem Idiom und in italienischer Übersetzung, wiedergegeben; doch ist ver-ständlich, daß nur eine italienische Ausgabe den sardischen Geschichten ein größe-res Publikum zu sichern vermag. Daß diese Übertragung behutsam erfolgt ist, dafürbürgt der Name der Herausgeberin.

Der Band bietet eine kluge Auswahl von alten und neuen Aufnahmen. Er beginntmit den Zaubermärchen( 28 Texte) und bringt neben Texten, die in ihrer Eigenartdeutliche Züge des Sardischen enthalten, auch weitverbreitete Motive, wie das vonden Ratschlägen Salomons( AT 910 B), die in Sardinien besonders beliebt sind.

Es folgen Legenden, Legendenschwänke und Parabeln( 57 Texte), unter denenvor allem der Zug von S. Antonio, dem Feuerbringer und ehemaligen Schweinehir-ten, zu den typischen Legendenmärchen gehört; doch werden auch Legenden vonsardischen Heiligen und Volksheiligen gebracht.

Stärkere lokale Elemente kommen in den Gruppen vor, die den Sagen undSchwänken gewidmet sind. Der Einschlag des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums ist dabei oft kommentie-rend herausgestellt. Trotz der Verbindung vieler Sagen mit ihrer Landschaft- odersogar einzelnen Orten- merkt man doch bei manchen Motiven einen stärkerenZusammenhang mit der iberischen Halbinsel, während die Märchen und Legendeneher zum italienischen Festland oder Sizilien tendieren. Man denke dabei nur an die musca macedda( S. 133), die tödliche Fliege, als eine Art Schatzhüterin. Im iberi-schen Raum sind derlei Insekten ,, avispas y negras moscas" heißen sie beim

196