Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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1060 Wallfahrtsfähnchen stammen großteils aus einer rheinischen Privatsammlungund reichen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Herkunftsländer sind das Rheinlandund die Beneluxstaaten. Nachweisbar sind jene Fähnchen aber seit dem 15. Jahrhun-dert, als Ausgangspunkt kann Flandern angesehen werden.

Hier sei auch gleich darauf hingewiesen, daß jene Fähnchen und Wimpel" mitden in Österreich gebräuchlichen Wallfahrtsfahnen nur den Namen und die Formgemein haben. Sprechen wir in Österreich von Wallfahrtsfähnchen, so meinen wirdamit kleine Fahnen und Wimpel im Besitz einzelner Kirchen( häufig bürgerlicheStiftungen), die aus kostbaren Stoffen gefertigt, bestickt und/ oder bemalt sind undbei bestimmten Wallfahrten mitgetragen werden. Die hier beschriebenen Fähnchengehören jedoch zur Druckgraphik und stehen in der Art ihrer Gestaltung und ihresInhaltes, sowie in den Zahlen ihrer Auflage, dem kleinen Andachtsbild nahe. IhrVerwendungszweck stellt sie in den Bereich der Pilgerzeichen, die sie als Surrogatablösten. So wurden bereits im 15. Jahrhundert solche Fähnchen aus dem neuenMaterial Papier hergestellt, das mit den verschiedenen Drucktechniken eine billigereund schnellere Vervielfältigung ermöglichte, als dies bei den herkömmlichen Mate-rialien für Pilgerzeichen( Metalle, seltene Wachse) durch die Gußtechniken der Fallwar. Darüber hinaus ermöglichten die Drucktechniken( ursprünglich Holzschnitte)eine Darstellung in Bild und Wort. Im 20. Jahrhundert wurden diese Papierfähnchenvon Stoff- und Kunststoffähnchen abgelöst, die als Fahrradstander und Autowimpelerzeugt wurden.

So wie jene modernen Material- und Formveränderungen über Wallfahrtsbräucheund-sitten Auskunft geben, finden sich in den frühen Fähnchen viele derartige Hin-weise. Ihr Wert als volkskundliche Quelle ist daher groß.

Der Bestandskatalog, nach Herkunftsländern geordnet, gibt das gesamte Inven-tar, nach den Regeln der Katalogisierung von Druckgraphiken wieder und ist somitein genaues Quellenregister. Genaue Inhaltsangaben und reichhaltige Bebilderungmachen das Werk zu einem wesentlichen Handbuch in den Bereichen der Ikonogra-phie, der Wallfahrtslegenden- und-themenforschung sowie des Wallfahrtsbrauch-tums Glossar ::: zum Glossareintrag tums. Ein Register der Heiligennamen und Wallfahrtstitel mit Angabe der jeweili-gen Orte erleichtert die Benützung.

Dieses minutiös erstellte und übersichtlich angelegte Werk führt eindrucksvoll vorAugen, wie aussagekräftig Sachzeugnisse für die volkskundliche Forschung sind undwie wesentlich daher ihre einwandfreie Erfassung und Aufzeichnung ist.

Ulrike Aggermann- Bellenberg

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Ágnes Kovács, Der grüne Recke Ungarische Volksmärchen(= DasGesicht der Völker, 51). Kassel, Erich- Röth- Verlag, 1986, 217 S.

Die Kollegin Kovács ist in Österreich keine Unbekannte, bekannt sind auch ihre,, Ungarischen Volksmärchen im Diederichs- Verlag, und so erwartet man sichzunächst zwar eine Fortsetzung ihrer Publikationen und nichts Neues. Dann kommteine Überraschung! Denn der vorliegende neue Band enthält nicht nur von den Stof-fen her Erzählungen, die man aus Ungarn- oder überhaupt noch nicht gekannthatte, sondern er bringt auch mit einem sehr informativen Nachwort eine Einführungin eine Märchenwelt mit neuen Aspekten. Die ethnologischen und religions-

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