Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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bei der mit sehr sicherem Griff erfolgten Auswahl um eine Definition von, Volks-kunst( narodno kiparstvo, Folk Art) bei diesen Bildhauern( 9-11) und zeichnet dieLebensbilder dieser dörflichen Volkskunst- Schaffenden zwischen der Jahrhundert-wende und unseren Tagen, gesehen aus ihrer Alltags- Umwelt. Erstaunlich, wie,, archaisch" manche dieser Schnitzwerke sein können und wirken. So fühlt mansich denn auch manchmal an Prähistorisches, eben aus Jugoslawiens frühesten Fun-den, zu Vinča etwa, erinnert, wenn man die Gestaltung von Tor- Zierat mit Gesich-tern( Maskarons) damit vergleicht oder die Fülle der Christus- Häupter des Gekreu-zigten an den sakralen Flurdenkmälern, an das Holzspielzeug( Puppen), an( zumTeil auch farbig wiedergegebenen) Madonnen und Heiligen( Georg, Abb. 69), zuGipsformungen und zum, Christus im Leide", wie er etwa in Polen in der religiösenVolkskunst so sehr dominiert, bei uns und im katholischen Südosteuropa als Zahn-weh- Herrgott" oder als der kroatische Herrgott" bekannt ist. Es gibt eben auchheute wie seit eh und je wirkliche Volkskunst neben( und in der modischen Wer-tung zu Unrecht leider unter") der Kunst der Naiven.

Leopold Kretzenbacher

Wulf Köpke, Töpferöfen. Die Brennanlagen der traditionellen Töpfereien Spa-niens. Arten, Verbreitung und Entwicklung(= Marburger Studien zur verglei-chenden Ethnosoziologie, Bd. 13). Bonn, Dr. Rudolf Habelt GmbH, 1985, 246Seiten mit 138 Abbildungen sowie 19 Übersichtskarten in getrennter Mappe.Der Titel klingt bescheiden. Tatsächlich ist diese Berliner Dissertation einegewichtige Pionierarbeit, die über den im Titel angedeuteten Rahmen weit hinaus-geht. Der Autor hat zum Vergleich die traditionellen Brennanlagen Portugals,Frankreichs, Italiens und des Maghreb mit einbezogen, soweit es der publizierte For-schungsstand zuließ. Darüber hinaus bieten 19 sorgfältig gezeichnete Übersichtskar-ten für alle Töpfereiinteressenten des Mittelmeergebietes eine Gesamtschau dererfaßten Töpferorte dieser Länder im Zeitraum zwischen 1920 und 1930. Diese Kar-ten enthalten neben der Kartierung der unterschiedlichen Typen von BrennanlagenInformationen zu den vorherrschenden Spezialisierungsarten innerhalb der Töpfer-orte nach den Kriterien Rauhware, kochfeste Rauhware, Rauhware mit Salzzusatz,Schwarzgeschirr, bleiglasierte Ware, bleiglasierte kochfeste Ware, zinnglasierteWare, Groß- oder Schwerkeramik.

Außerdem enthält dieser Band einen Abriß der archäologisch faßbaren Entwick-lung der Brennanlagentypen vom Altertum bis zur Gegenwart mit einer kritischenWürdigung der Grabungsbefunde vor dem Hintergrund des rezenten Vergleichs-materials. Eine derartige länderübergreifende Gesamtschau der historischen Ent-wicklung ist trotz der Lückenhaftigkeit des Forschungsstandes für Archäologen undEthnologen gleichermaßen aufschlußreich.

Ein weiterer Verdienst dieser Arbeit ist die erfolgreiche Übertragung des For-schungsansatzes der lebendigen Archäologie"( vgl. R. Vossen, in: Verhandl. des38. Int. Amerikanistenkongresses, Bd. 1: 73-77, Stuttgart- München 1968) von derAnalyse südamerikanischer Indianerkeramik Glossar ::: zum Glossareintrag  Indianerkeramik auf europäische Verhältnisse dervorindustriellen Zeit.

Wulf Köpke hatte 1973 Gelegenheit, an der Fortsetzung der Landesaufnahme derTöpfereien Spaniens unter der Leitung des Rezensenten teilzunehmen( vgl.

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