Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Beide Werke sind wichtige Beiträge zu den großen Kapiteln Wohnen, Nahrung,Volksmedizin, aber auch zu Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum, Alltagskultur und Freizeitleben. Sehrbedauerlich scheint in diesem Zusammenhang auch, daß Maria Kundegraber ihreDissertation zum Thema Bauerngärten in der Steiermark nie publiziert hat, einManko, dem vielleicht doch noch abgeholfen werden könnte.

Eva Kausel

Mario Lenković, Samouki kipari( Bildhauer- Autodidakten). Hrsg. vomNarodno sveučilište Zaprešić- Muzej Brdovec( Volkshochschule Zaprešić-Museum Brdovec), 1985, 120 Seiten, 104 Abbildungen auf Kunstdruckpapier.Die in ganz Europa nach dem Zweiten Weltkrieg mächtig hervortretende soge-nannte, Naive Kunst" hat wesentliche Impulse gerade auch aus Jugoslawien bezo-gen. Namen wie Generalić, Hegedüšić u. a. sind zusammen mit kunstverständigenPublizisten, wie O. Bihalj- Merin, die sie in Prachtausgaben vorstellten, zu einemGattungsbegriff geworden. Sie haben, das kann man ohne Übertreibung heutesagen ,,, Weltruhm". Der wurde denn auch durch viele gut besuchte Ausstellungeninnerhalb Jugoslawiens, so z. B. bei der sehr repräsentativen Gesamtkunstausstel-lung in der Skenderija zu Sarajevo 1978 im Rahmen der Leistungen zwischenFrühmittelalter und Gegenwart bewußt und zielgerichtet propagiert. Auch das Aus-land hat dieser allmählich erst verflachenden Bewegung und ihren Repräsentantendie Anerkennung zumal in Westeuropa und in den USA nicht versagt. Ob es sichfreilich wirklich( noch!) um ,, naive Künstler handelt, ob nicht zumindest seit demEinsetzen eines beträchtlichen materiellen Erfolges eine Naivität eher vorge-spielt, auch so sehr schon erwartet wurde, daß es gar kein Zurück mehr gab, dieBewegung zum Teil in einen Manierismus übergegangen ist, läßt sich nicht so genaufür die Allgemeinheit, nur jeweils am Einzelobjekt, überlegen und begründen.

Von wesentlich anderer Art scheinen mir jene Arbeiten zu sein, die wirklich,, samouki kipari", kroatische Bildhauer- Autodidakten aus den kajkawischsprechen-den, der Hauptstadt Agram/ Zagreb unmittelbar im Westen und Nordwesten vorge-lagerten Landstrichen um den Mittelpunkt Zaprešić, unweit der einstigen kroatisch-untersteirischen Kronländergrenze gelegen, nunmehr in einer großen Wanderaus-stellung vorweisen dürfen als ihr besonderes Kunst- Können. Es sind Gegenständevorwiegend, aber bei weitem nicht ausschließlich religiöser Thematik, vor allemunmittelbar aus jener freilich weiterhin kaum zu definierenden Volkskunst"erwachsen, für die man eben das gleiche Vor- Wissen, Vorverständnis für die Beur-teilung braucht, wie sie immer noch und in der Krise der Geisteswissenschaften heutestärker als je beim Begriff Volkskunde" angebracht ist. Hier sind es( für die Lokal-geschichte namentlich und mit Lebensdaten erfaßt; für die Allgemeinheit gewiß wei-terhin, anonym" bleibend) Schnitzer und Steinbildhauer, in ihrem Lebensumkreisverbleibend. Kleine Leute, eben aus dem Volke, für die man( wie man hört:mühevoll, entsagungsreich und nach herben Enttäuschungen über Fehlhoffnungenniedergehalten) endlich eine Sonderausstellung und dazu die sehr wertvolle, ebenfür lebende ,, Volkskunst" aufschlußreiche Katalogpublikation zustande gebrachthat.

Der Verfasser von Einleitung und Katalogtexten( Kroatisch und Englisch), selberVolkskundler aus der Agramer Schule von M. Gavazzi und B. Bratanić, müht sich

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