Umsetzen der Erfahrungen einer Ausstellung, nach der Präsentation von Sammlun-gen von Kindern usw. Die Kontra- Stimmen fragten, ob es die Aufgabe des Museumssein könne, eine Instanz mit Beschäftigungstherapie zu sein, gleichsam als Kinder-garten zu fungieren, und ob denn Erwachsene ständig mit Kindern spielen müßtenund ihnen alles zeigen und lehren wollen sollen. Die Fragen wurden in der Sektionnatürlich nicht gelöst, aber wieder einmal formuliert und in den Blickpunkt gerückt,was allein schon seinen Wert hat. Zu diesem Thema seien einige österreichischeAktivitäten erwähnt, die jeweils vom einen oder anderen Ansatzpunkt ausgehen.1959/60 gestaltete das Historische Museum der Stadt Wien eine Ausstellung unterdem Titel„ Das Kind und seine Welt", welche die städtische, bürgerliche Welt des19. Jahrhunderts porträtierte, da nur aus dieser Sphäre Sachzeugnisse überliefertsind. Unter demselben Titel stand eine Wiener Ausstellung von Edith Hörandner1979 anläßlich des Jahres des Kindes, welche hauptsächlich vom Kinderbild ver-schiedener Nationen und Zeiten und vom Spielzeug bürgerlicher Kinder themati-siert wurde. Eine Ausstellung für Kinder präsentierte das Österreichische Museumfür angewandte Kunst 1981/82 über das Thema„ Kleider machen Leute“, und seiteinigen Jahren gibt es das sogenannte„ Ferienspiel", eine Aktion der GemeindeWien in Zusammenarbeit mit den Wiener Museen, in welcher Kinder zur aktivenAuseinandersetzung mit Museen angeregt werden sollen. Nicht vergessen soll auchdas Kinderweltmuseum Schloß Walchen werden, das versucht, beiden Ansprüchengerecht zu werden, nämlich der Kenntnisvermittlung über das Kind und der Aktivie-rung der kindlichen Museumsbesucher.
Der Kongreẞ wurde von drei wahlweise angebotenen Exkursionen beschlossen,von denen eine in das Bremer Umland führte und mit verschiedenen Formen vonKulturarbeit auf dem Lande bekanntmachte. Moorkolonisation in der Nähe Bre-mens einerseits und Landschaftsschutz auf der anderen Seite wurden vorgestellt.Kulturarbeit im Spannungsfeld zwischen Forschung und Heimatpflege konnte manbei einer Führung durch das Institut für Heimatkunde in Rotenburg a. d. Wümmekennenlernen, und den eindrucksvollen Schluß bildete ein Besuch des Ortes Schee-Bel mit einer schier unglaublichen Dokumentation von Brauchtumspflege Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumspflege und Hei-matbewußtsein. Ein im Ort seit 80 Jahren angesiedelter Heimatverein mit mehr als400 Mitgliedern hatte mehr als 100 von ihnen aufgeboten, um einem fachkundigenPublikum seine Bemühungen um Kultur- und Heimatpflege zu vermitteln. In einemrevitalisierten Meierhof und dessen Nebengebäuden im Zentrum des Ortes wurdegesponnen, gewebt, in die Geheimnisse des Blaudrucks eingeführt, plattdeutschgesungen, überlieferte niederdeutsche Weisen musiziert, volksgetanzt von jung undalt, und dies alles in einer mit Stolz vorgeführten 300 Jahre alten Bauerntracht.Abgesehen davon, daß diese Demonstrationen ein volkskundliches Lehrstück parexcellence darstellten, wurde, passend zum Tagungsthema, auch eindrucksvoll vor-geführt, wie Kinder vom Vorschulalter bis zu Jugendlichen in ein festgefügtesSystem von Ortstraditionen fest eingebunden werden.
Margot Schindler
Marginalien zum Papiertheaterkatalog des Österreichischen Museums
für Volkskunde
Umbau und Neuordnung des Österreichischen Museums für Volkskunde ergabenfür den Winter 1985/86 freie Räume, die zu einer attraktiven Papiertheaterausstel-
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