Jahrgang 
89 (1986) / N.S. 40
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Räume und Schichten derbarockzeitlichen Heiligenverehrungin Ungarn*)

Von Gábor Tüskés

Im Gegensatz zu den ungünstigen Quellenbedingungen für dasMittelalter steht den historischen und volkskundlichen Forschun-gen in Ungarn für die barockzeitliche Periode der Heiligenvereh-rung ein besonders vielfältiges Quellenmaterial zur Verfügung. DieUntersuchung dieser Quellen nach verschiedenen Gesichtspunktenist seit Jahrzehnten mit unterschiedlicher Intensität im Gange.Diese Analysen gehen aber nur selten über eine phänomenologi-sche Rekonstruktion der Kultformen hinaus. So fehlt es meistensan der Darstellung des gesellschaftlichen Kontextes, in dem sich dieHeiligenverehrung abspielte. Unter den wenigen diesbezüglichenAusnahmen müssen wir das dreibändige Werk von Sándor Bálint,dem wohl hervorragendsten Erforscher der Volksreligiosität, her-vorheben. Seine Arbeit gewährt den ersten zusammenhängendenÜberblick der Heiligenverehrung in Ungarn, eingebettet in dieeuropäischen kulturgeschichtlichen Prozesse.¹) Und obwohlSándor Bálint das Quellenmaterial über die Verehrung der einzel-nen Heiligen nach dem Aufbau des kirchlichen Kalenders angeord-net hat, kann man in seinem Werk oft auch schon die zeitliche

*) Der Beitrag stellt die Kurzfassung einer eingehenden Untersuchung zumThema Heiligenverehrung dar. Die hier oftmals nur angedeuteten Argumentationenbzw. das Datenmaterial werden dort ausführlich dargelegt. Das erste Mal wurde derBeitrag als Vortrag anläßlich der Akademie- Tagung Historische Anthropologie I"am 18. 4. 1983 in Budapest vorgelegt. Für die stilistische Überarbeitung der deut-schen Fassung habe ich Frau Irene Cserey, Budapest, herzlich zu danken.

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