am Rücken getragenen Körben statt, während der Heuboden unbedingt westlicherProvenienz ist. In der Ära des Feudalismus war der westliche, namentlich der deut-sche und skandinavische Einfluß besonders stark. Infolgedessen wurde der Unter-schied zwischen der Viehhaltung West- und Ostlettlands immer größer. Mit denwesteuropäischen Tierarten( das westeuropäische Pferd erscheint bereits im 12. bis13. Jh.) wurden auch neue Methoden der Tierwartung und der Verarbeitung vonViehzuchterzeugnissen übernommen( z. B. der veränderte Stallbau). Seit dem16. Jh. ist ein intensiver slawischer( polnischer, großrussischer, weißrussischer) Ein-fluß zu beobachten. In den bäuerlichen Haushalten erscheinen somit das Dämpfender Sahne bei der Butterherstellung, das Konservieren der Butter durch Schmelzen,Zubereitung von im Ofen gedämpftem Quark sowie von Quark- Trockenkäse. Mitder Gemengelage der Grundstücke blieb die gemeinsame Wiese erhalten. Auffal-lend ist im 19. Jh. die Entwicklung der Milchwirtschaft und Schweinezucht, die durchdie Marktwirtschaft gefördert wurde. Produkte der lettischen Viehzucht gelangtenbis nach St. Petersburg. Im 18. und 19. Jh. wurden vornehmlich Kuh- und Schaf-sorten( Merinoschafe) aus dem Westen nach Lettland eingeführt. Bei der Behand-lung der Viehzucht werden sowohl die Besitzverhältnisse wie auch die Lage derBauernschaft, die Anstellung der Landarbeiter sowie die von den Großgrundbesit-zern ausstrahlende inspirierende Wirkung in Betracht gezogen. Vorzüglich sind diekulturökologischen Gesichtspunkte des Buches, aufschlußreich die Sach- undSprachkarten( Traggeräte, Melkgefäße, Butterfaß, Futtertrog, Stallformen) sowiedie Fotografien. Es wäre gewiß vorteilhaft gewesen, die Unterschriften der letzterenauch in deutscher Sprache anzugeben.
Alles in allem ist das vorliegende Buch ein hervorragendes Werk der rezentenViehzucht- Literatur.
Béla Gunda
Gyula Takáts, Somogyi pásztorvilág( Hirtenwesen im Somogy- Gebiet).Kaposvár, Direktion der Museen im Komitat Somogy, 1986, 126 Seiten.
Als einer der großen Dichter im heutigen Ungarn gepriesen, dessen Gedichte dieklassische Atmosphäre Pannoniens ausstrahlen, war Gyula Takáts in früherenJahren Museumsdirektor im Komitat Somogy( Stadt Kaposvár), wo er insbesonderedem Hirtenwesen eingehende Studien widmete.
Seinem Buch ist zu entnehmen, daß in den Herrschaftsgütern und Bauernwirt-schaften des Komitats Somogy( Schomodei) zahlreiche Schweine gehalten wurden;sie wurden mit Eicheln gemästet und von den Viehhändlern durch den BakonyerWald bis nach Wien getrieben. Die in Naturalien entlohnten Hirten bildeten einegeschlossene Berufsgruppe, für die auch die Endogamie bezeichnend war. Der Hir-tenjunge wurde von den Älteren eingeweiht. Die Schweinehirten besaßen im allge-meinen nur wenige gegenständliche Güter, um so reichhaltiger war aber ihre Glau-benswelt. Kranke Tiere heilten sie vorzugsweise mit magischen Handlungen. Dawurde mal ein Pappelzweig in den Boden gesteckt und Jesus, die heilige Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag JungfrauMaria oder der heilige Wendelin angefleht, damit das kranke Tier gesund wird. Auchmit Rückwärtszählen wurde kuriert. Glück widerfuhr der Sauherde, dessen Hirt einePeitsche mit einer eingekeilten Schlangenzunge besaß. An einem neuen Arbeitsplatzging der Hirt mit einer solchen Peitsche um die Wiese herum oder umräucherte sie,damit seine Tiere nicht durchgehen. Zu Weihnachten gingen alle Hirten zur Mitter-
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