Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Alles in allem wird der vorliegende Leitfaden zur Keramikbeschreibung sicherlicheines der wichtigsten Instrumente der Keramologie werden. Die übersichtlich geglie-derten, verständlich erklärten Normierungsvorschläge sowie eine angenehmePapier- und Druckqualität machen ihn zu einem unentbehrlichen Handbuch bei derArbeit mit keramischen Objekten, für das eine Verbreitung über die bundesdeut-schen Grenzen hinaus ein Muẞ ist.

Claudia Wacha

Helmut Keim Ute Rautenberg, Die Unterammergauer Wetzstein-macherei(= Schriften des Freilichtmuseums von Oberbayern, Nr. 13). Heraus-gegeben im Auftrag des Bezirkes Oberbayern. Grossweil 1987, 63 Seiten.

Ein beherzenswerter Spruch des vorzüglichen Balkanforschers Franz Nopcsa fielmir ein, als ich das ausgezeichnete kleine Buch von H. Keim und U. Rautenberg zulesen bekam: Die einfachsten Dinge sind die interessantesten. Wetzstein! Ja, ichglaube, gar mancher Volkskundler hat ihn gar nicht bemerkt, als er Bauernhöfebesichtigte. Dabei ist das Werk der beiden Autoren ein wahres Füllhorn der Infor-mationen. Wir erfahren z. B., daß die Wetzsteinmacherei in Oberbayern bereits seitdem 16. Jahrhundert betrieben wurde. Sie starb erst kurz nach dem Zweiten Welt-krieg aus, nicht zuletzt infolge der zunehmenden Technisierung der Landwirtschaft.U. Rautenberg schildert die Arbeit der letzten Wetzsteinmacher aus Unterammer-gau, die Gewinnung des Rohstoffes und die Herstellung des Wetzsteines, die in frü-heren Zeiten eine Handarbeit war. Im 19. Jh. erschienen aber die verschiedenenSchleifmühlen, die allerdings im Winter stillstanden. Um diese Zeit bestand dieArbeit des Wetzsteinmachers aus dem manuellen Zuhauen der Rohlinge( Becken).Dies fand in einer heizbaren Beckhütte statt. Die fertigen Wetzsteine wurden ausder vom Dorf gewöhnlich weit entfernten- Schleifmühle nach Hause gebracht,dort von den Frauen gewaschen und im Haus oder im Stall aufgestapelt. Bereits im19. Jh. arbeiteten die Wetzsteinmacher in Genossenschaften und vermarkteten ihreErzeugnisse verschiedener Typen nicht nur in Deutschland, sondern flößten sie auchauf der Donau nach Wien und Budapest. Gegen Ende des 18. Jh. wurden nach Wienund in die weiteren Donauländer im Frühjahr 80.000 bis 100.000 Wetzsteine trans-portiert. Fein nuanciert informiert uns U. Rautenberg über die Rentabilität derWetzsteinmacherei.

H. Keim erkannte die wissenschaftliche, museologische und heimatkundlicheBedeutung der Wetzsteinmacherei. Ausführlich beschreibt er, wie das Freilicht-museum des Bezirks Oberbayern die Schleifmühle mit den dazugehörenden Gebäu-den aufgestellt hat. In der Schleifmühle wird die Wetzsteinmacherei von einemerfahrenen Meister regelmäßig vorgeführt.

Im vorliegenden Band wird ein ausgestorbenes Handwerk von den Autorenmustergültig aufgearbeitet. Dazu möchte ich nur ganz kurz hinzufügen, daß es inKarpaten- Europa noch heutzutage slowakische, ruthenische und rumänische Dörfergibt, wo Wetzsteine mit ganz primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiver, manueller Technik hergestellt werden. InNord- Siebenbürgen schleifen die Rumänen- im Bach stehend- die Wetzsteine aneiner groben Steinplatte und hausieren damit. Eine ausführliche Beschreibung derArbeit s.: K. Kós, Geräte, Arbeit, Volkstradition( ungarisch). Bukarest 1979,S. 55-74. Die verschiedenen wandernden Wetzsteinhändler waren zum Jahr-

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