Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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Wir danken dem Tiroler Landesmuseum, das uns mit der Fülle von Objekten desTiroler Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums der Weihnachtszeit ein sehr schönes Weihnachtspräsent und,wie Direktor Gert Ammann sagte, auch eine Weihnachtsbotschaft gebracht hat. Wirdanken dem Österreichischen Museum für Volkskunde, das die Ausstellung aus sei-nem reichen Schatz an Weihnachtskrippen ergänzte und dem es gelungen ist, mitGesang und Spiel alter Weihnachtslieder, mit Weihnachtsbäumen und Kerzen jenesAmbiente zu schaffen, das einen Vorgeschmack auf das alljährliche und doch immerneu erlebbare Fest der Familie vermittelt. Eine herrliche Krippe fehlt allerdings, esist eine Kastenkrippe aus dem Ausseerland. Sie wurde der Albertina für ihre Weih-nachtsausstellung geliehen. Sie paẞt dort sehr gut in den Rahmen einer prachtvollenAusstellung von Meisterwerken vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart, die denWeihnachtsfestkreis zum Thema haben. Ich kann Ihnen diese Ausstellung nurwärmstens empfehlen.

Gern mache ich von der freundlichen Einladung Gebrauch und darf die Ausstel-lung ,, Musik und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum der Weihnachtszeit in Tirol" für eröffnet erklären.Johann Marte

Einführung zur Ausstellung

Die Vorweihnachtszeit wird durch bestimmte musikalische Stimmungen geprägt.In der Stadt bilden traditionelle Lied- und Musikformen den Klanghintergrund einesmerkantilen Eifers, und Besinnliches wird durch eine Darbietungsform vermittelt,die der Salzburger Musikant Tobi Reiser( 1907-1974) mit der neuen Form des,, Adventsingens" geschaffen hat.

Am Land, in den Dörfern und besonders in Tirol ist die Zeit des gesamten Weih-nachtsfestkreises durch eine Fülle von Formen des Umzugs- und Ansingebrauch-tums Glossar ::: zum Glossareintrag tums gekennzeichnet. In der Stadt können solche Formen deshalb nicht gedeihen,weil sie vom fluktuierenden Gehen und Kommen der Menschen, vom Verkehr gänz-lich erdrückt werden. Derartige Brauchformen benötigen die äußere Ruhe des Dor-fes, des abgeschiedenen Weilers; sie brauchen die Stille des Schnees und die Erwar-tung der Menschen.

Wie können wir Städter von heute begreifen, daß die abscheulichen Töne, aufeinem Bockshorn geblasen, Leben bewirken, wie dies beim ,, Nikolaus- Wecken"im Vinschgau geschieht. Diese rituellen Formen, mit altartigen Glaubensvorstellun-gen verbunden, sind uns suspekt geworden. Wir sind nicht mehr fähig, an den, Ton"zu glauben, noch weniger an die damit verbundene Handlung. Unbeschadet unsererSkepsis aber: man glaubt noch, daß Töne und Gesang Böses verhindern und Guteswecken können.

Vor allem die Lärmbräuche haben in Tirol eine starke resistente Kraft und siebehaupten sich gegen jegliches Aufgeklärtsein. Mit Bockshörnern, Schellen undKuhglocken, aber auch mit leeren Gefäßen wird beim Santa- Klas- Wecken", beim Klaubaufgehn und bei verschiedensten Perchtllauf- Formen eine Lärmorgieerzeugt, die nur auf Besucher von Kammermusik- Konzerten und Adventsingen stö-rend wirkt. Terminmäßig gestalteten Lärm müßte man heilig" erklären.

Der Gestalter dieser Ausstellung, Dr. Manfred Schneider, schreibt im Katalog zudiesem Thema:

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