Jahrgang 
90 (1987) / N.S. 41
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lektueller Elitarismus und naiver Populismus, resultieren gleicher-maßen aus der Distanz zu den untersuchten Erfahrungsbereichenund-formen, die nur auf unterschiedlich einseitige, und damit glei-chermaßen falsche Weise angegangen werden. Sie sind zwei Seiteneiner Medaille, die ihren konzeptionellen Ausdruck in der falschenKontrastierung von Massenkultur als manipulierte einerseits undVolkskultur als ursprüngliche andererseits finden.

Gerade weil die Volkskunde von allen Sozial- und Kulturwissen-schaften die größte, weil gewissermaßen von ihrem Gegenstandnahegelegte Chance hat, eine Dialogwissenschaft zu sein, die eineBrücke schlägt zwischen denen, die für gewöhnlich forschen undjenen, die für gewöhnlich erforscht werden, ist es an der Zeit, daßVolkskunde eine selbstreflexive Wissenschaft wird, die, um derbesseren Erkenntnis willen, den fremden Blick" auch auf ihreeigene Stellung und Praxis richtet. Eine Möglichkeit, dies zu tun,ist z. B. die metamethodische Reflexion der Feldforschung, wie ichsie punktuell versucht habe³³. Eine andere besteht in der von Wolf-gang Brückner auf dem wissenschaftsgeschichtlichen Symposion inWürzburg angerissenen Frage: ,, Wer wird warum Volkskundler³4"Ich halte diese Frage für überaus reizvoll und außerordentlich wich-tig, weil ihre Beantwortung uns Aufschlüsse über die latente Bio-graphie der Volkskunde geben würde³5. Die Ethnologie ist in derauf ihr Fach gerichteten Frage Wer wird Ethnograph? ein gutesStück weiter 36.

Hier drängt sich eine vergleichende Analyse förmlich auf. Viel-leicht verstehen wir dann z. B. besser, warum sich die Ethnologieso ungeniert der Großstadtforschung zuwenden kann( die sie dann Urban Anthropology" oder Urban Ethnography" nennt), wäh-rend wir uns mit der Großstadtvolkskunde, die doch ein An-erbenrecht auf dieses Forschungsfeld hat, nach wie vor schwer tun.

Anmerkungen:

1. Vgl. Wolf Lepenies, Einleitung. Studien zur kognitiven, sozialen und histo-rischen Identität der Soziologie. In: Ders.( Hg.), Geschichte der Soziologie, Bd. 1,Frankfurt a. M. 1981, S. I- XXXV.

2. Mikos Szalay, Die Ethnologie auf dem Wege zur Historie? In: Heide Nix-dorff und Thomas Hauschild( Hgg.), Europäische Ethnologie. Theorie- undMethodendiskussion aus ethnologischer und volkskundlicher Sicht. Berlin 1982,S. 271-289.

3. Gerard Leclerc, Anthropologie und Kolonialismus. Frankfurt- Berlin- Wien1976.

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