Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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stellung von D. Luther, indem er sagt, daß erst die Zeit zeigen wird, welche dieserneuen Erscheinungen das kulturell- gesellschaftliche Leben sich in Gestalt der Jah-ressitten oder echten Volksfesten formieren werden". Ein sicher für die Volkskundekompliziertes Kapitel! In dieser Publikation beschränken sich die meisten auf dieKonstatierung, daß es neue Festlichkeiten gibt, die eine wichtige Rolle im gesell-schaftlichen Leben des heutigen Dorfes spielen. Auf das volkskundliche Wie undWarum müssen wir deshalb noch warten. Es wagt auch niemand, irgendwelche Pro-gnosen aufzustellen, was die weitere Entwicklung der Brauchtumstradition Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumstradition betrifft,und wenn, dann ist das Wort Hypothese unterstrichen. Um so überraschender dieFeststellung von J. Krist in seinem Referat Der Wandel der Volksbräuche imGebiet um Kyjov", in dem er sagt, daß in Zukunft sich nur das bewährt, was derökonomischen und kulturpolitischen Situation auf dem Dorf entsprechen wird. Diegrößte Entwicklung werden daher die neuen Zeremonien und alle wichtigen, poli-tisch bedeutenden Jahresfesttage haben, besonders wenn bei ihrer Geltendmachungsich auch einige Elemente der traditionellen Kultur finden werden". Diese Feststel-lung( zufälligerweise nicht im Resümee enthalten) widerspricht dem manchmal un-berechenbaren Charakter der Jahresbräuche selbst. Obwohl klar ist, daß das heutigekulturell- gesellschaftliche Leben und die Anknüpfung an traditionelle Normen nichtnur von einer Lokalgemeinschaft abhängig sind, spielen immer noch Lokalgemein-schaften, Organisationen, Gruppen, Familie, aber auch das Individuum gerade beider Brauchtumstradition Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumstradition eine wichtige Rolle. Wie und in welcher Intensität habenwir genug aus den Referaten erfahren. Ein wenig übertrieben ist auch über einigeElemente der traditionellen Kultur" in einem Gebiet zu sprechen, das zu den tradi-tionsreichsten in der Tschechoslowakei gehört, und wo bis heute nach dem Karto-gramm Nr. 14 zwischen 11 und 15 Jahresbräuche stattfinden.

Anschließend noch ein Lob für die Autoren dieser Publikation, denn fast alle Bei-träge- mit Ausnahme einiger Passagen, die mit allzuviel kulturideologischem Vo-kabular ausgeschmückt sind- beweisen eine gründliche volkskundliche Arbeit, dieauf Grund neuester Terrainforschungen und Umfrageaktionen durchgeführt wurde.Jedenfalls ist neben dem inhaltlichen Reichtum auch die überraschend gute formaleAusstattung dieser Publikation zu würdigen. Alle Referate weisen ein dreisprachigesResümee auf( manche zu kurz gehalten), aber auch ein Verzeichnis der Abbildungenund Beschreibungen der Kartogramme in drei Sprachen Deutsch, Englisch undRussisch, so daß sich auch ein nicht tschechisch Sprechender in diesem Werk gutorientieren kann. Sicherlich ein wichtiger Beitrag nicht nur für die tschechoslowaki-sche Volkskunde, sondern auch für die Ethnologia europea.

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Vera Mayer

Zmaga Kumer, Ljudska glasbila in godci na Slovenskem( Volksmusik-instrumente bei den Slowenen). Ljubljana, Verlag der, Slovenska Matica", 1983,geb., 221 Seiten, 38 Abbildungen.

Im späten 18. Jahrhundert schon, mit dem Aufkommen der Volkskunde" alsWissenschaft, war schon die mindestens von J. G. Herder an steigende Anteilnahmeam Musischen der Volkskultur, an Lied und Tanz und an der sogenannten ,, Volks-musik" gewachsen. Das bezog notwendigerweise früh auch die Instrumentenkundeein. Dies ging zunächst parallel zur Erforschung der Kunstmusik, ihres überlie-

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