Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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Rückzugslandschaften erweisen, wobei ihm der niederösterreichisch- oberöster-reichische Grenzraum aus eigenem Jugenderlebnis vertraut ist. Das primäre Mate-rial gewinnt Huber aus der Feldforschung. Er bedient sich der Befragungsmethode,wozu er einen Fragebogen als Gedächtnisstütze benützt, den er allerdings nicht pu-bliziert, weil er sich im wesentlichen mit der Gliederung der Arbeit deckt. Die Listeseiner Gewährsleute ist beachtlich und umfaßt 117 Namen, wovon% vor 1930 gebo-ren sind. Die Anzahl teilnehmender Beobachtung( 3 Begräbnisse, 2 Totenwachen)hält sich demgegenüber in Grenzen. Das direkt erhobene Material wird zum Teildurch Literatur, durch eine von Prof. Helmut Fielhauer ausgearbeitete und im Rah-men des Niederösterreichischen Bildungs- und Heimatwerkes durchgeführte Um-frage zum Totenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Totenbrauchtum( 1968) und über Anregung von Prof. Wolfram-durch die Ergebnisse der ADV- Befragung aus dem Jahr 1934 ergänzt. Das ergibt ins-gesamt eine Fülle an Material, dessen Auswertung aber nicht völlig befriedigt. Esentsteht nämlich der Eindruck, als wäre das ADV- Material erst nachträglich in dieArbeit eingearbeitet worden. Die zum Teil von Huber selbst aus dem im Nieder-österreichischen Landesmuseum liegenden Antwortmaterial erstellten Karten bzw.jene aus der neuen Lieferung des ADV übernommenen Kartenausschnitte werdennämlich weitgehend ohne Kommentierung in den Text eingefügt. Das hat zur Folge,daß die Arbeit an Schärfe verliert. Ohne eine entsprechende Vergleichsbasis zu ha-ben, wird damit der Befragungsraum überschritten. Es unterbleibt aber auch eineklare Gegenüberstellung des ADV- Materials mit den eigenen Befragungen, dienicht kartographisch ausgewertet werden und bei denen übrigens nicht immer ein-deutig hervorgeht, ob sie die Gegenwart oder die Zwischenkriegszeit betreffen. Da-zu ist Helmut Huber offensichtlich die Arbeit von Klaus Beitl ,,, Totenwacht undTotenwachtsingen in Vorarlberg. Dargestellt an Hand des Materials des Atlas derdeutschen Volkskunde( 1934) und einer Liederhandschrift Trauer Lieder ausKlaus, Bez. Feldkirch, Mitte 19. Jahrhundert. Mit 10 Notenbeispielen. Bemerkun-gen zu den Melodien von Walter Deutsch"( In: Jahrbuch des ÖsterreichischenVolksliedwerkes, Bd. XIX, Wien 1970, S. 20-76) entgangen, die sich methodischmit dem ADV- Material auseinandersetzt. Sie zeigt, wie problematisch es ist, von Be-fragungsergebnissen auf frühere Zustände zu schließen. Außerdem hätte Huber inder knappen Zusammenfassung der österreichischen Literatur zum Totenwachtsin-gen, die Beitl in einer Fußnote gibt, noch manche Ergänzung für seine Literaturlistegefunden. Man vermißt bei Huber auch einen Überblick über die Forschungsge-schichte. Doch das läßt sich bei der Untersuchung des Totenbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Totenbrauchtums der übrigenRegionen Niederösterreichs nachholen.

Helmut Huber hat mit seiner fleißigen Arbeit jedenfalls einen Anfang gesetzt,dem es zu folgen gilt. Vor allem die umfangreiche Sammlung von Gebeten und Lie-dern zum Totenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Totenbrauchtum, die in einem Ergänzungsband zusammengestellt sindund von Walter Deutsch vom Standpunkt des Musikwissenschafters analysiert wer-den, stellen eine wertvolle Grundlage dar.

Franz Grieshofer

Alfred Cammann- Alfred Karasek, Ungarndeutsche Volkserzählung. Ausdeutscher Siedlung im altungarischen Raum. Teil 1 und 2(= Schriftenreihe derKommission für ostdeutsche Volkskunde in der Deutschen Gesellschaft für Volks-

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