bei Schwanenstadt( Oberösterreich) oder auf die Seelenwoche von Ebensee ist ineinem Buch über das„, Festland Österreich" fehl am Platz.
Bräuche sind Handlungen, die auf eine festumrissene Gemeinschaft ausgerichtetsind, sie setzen ein Einverständnis unter den Handelnden voraus, sie verlangen dieEinordnung des Teilnehmers( Zusehers) und ein ganz bestimmtes Normverhalten.Bräuche haben vorwiegend kultischen Charakter, wollen etwas bewirken. Bräuchesind Riten, keine Show! Anders das Fest. Es wendet sich an die Öffentlichkeit, esbietet für kurze Zeit Befreiung von den Sorgen des Alltags, stellt diesen, wie im Fa-sching, sogar auf den Kopf. Zu den wichtigsten Kriterien für ein Fest gehören dasSpiel, der Wettkampf, der Tanz( nicht als Kult, sondern zur Unterhaltung), Musik,Umzug und Schmausereien. In diesem Sinn sind dann auch einzelne Hobbykurseoder musikalische Veranstaltungen keine Feste. Dafür aber die zahllosen Kirtageoder Volksfeste( Wels, Ried, Hollabrunn, die Dult in Salzburg, usw.), Waldfeste,Seefeste( Strobl am Wolfgangsee usw.), Bergfeste, das Narzissenfest von Ausseeusw., die fast zur Gänze in dem Buch fehlen. Dafür findet man die Ostereierbörsedes Kulturvereins Mölkerstiege angeführt; das Wiener Stadtfest, das Praterfest derKPÖ, den„ Kirtag auf der Mauer" oder die diversen Krätzelfeste in Wien, die alleschon länger bestehen als die Ostereierbörse, hingegen nicht. In solchen Unausge-wogenheiten, die vielleicht partiell erscheinen mögen, manifestiert sich die grund-sätzliche Problematik der Auswahl, denn statt eines„ Festkalenders" wurde unterdem Titel„ Mitfeiern! Festland Österreich" weitgehend ein„ Brauchkalender" er-stellt. Das heißt aber nichts anderes, als daß die Volkskunde damit das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumder neuen Werbekampagne preisgibt. Sie sanktioniert, daß das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum wie einFest konsumiert wird. Leider!
Franz Grieshofer
Helmut Huber, Totenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Totenbrauchtum in Niederösterreich. Häusliche Leichen-wache in der alpinen Zone. Erscheinungsformen des 20. Jahrhunderts. VerlagVerband der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs, Wien 1981, 184 S.,Abb., zahlr. Karten(= Dissertationen der Universität Wien; 149).Ergänzungsband:
Helmut Huber, Gebet- und Liedgut um Tod und Begräbnis aus Nieder-österreich. Mit einem Beitrag von Walter Deutsch. Verlag Verband der wissen-schaftlichen Gesellschaften Österreichs, Wien 1981, 435 S. und XXXIII S.
Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine wichtige und verdienstvolleDissertation, die bei Prof. Richard Wolfram gearbeitet wurde. Sie behandelt einThema, das in unserer Gesellschaft weitgehend verdrängt wird, während die ältereGeneration insbesondere in den Landgebieten dem Phänomen des Todes noch miteiner natürlichen, humanen Haltung gegenübertritt. Damit ist aber auch die Rich-tung angezeigt, der diese Arbeit folgt: Sie will das in der Gegenwart noch geübte, tra-ditionelle Totenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Totenbrauchtum, insbesondere die häusliche Totenwache, erfassen, ehees verschwunden ist. Das Totenbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Totenbrauchtum unterliegt nämlich einem starken Wan-del, der sich vor allem im Bau von Aufbahrungshallen zeigt. Aber Helmut Huber in-teressiert nicht der Wandel, sondern das Beharrende. Für seine Untersuchung wählter daher die alpine Zone Niederösterreichs, in der sich einige Gebiete als besondere
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