Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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sowie finanzielle Unterstützung etwa in Form von Subventionen. Zur Erfüllung die-ser Wünsche ist aber eine Zusammenarbeit und ein gemeinsames Vorgehen derVolksgruppen nötig, wozu das Symposium ein wichtiger Anstoß war.

Die Referenten und ihre Themen waren: Heinz Tichy: Ethnische Gruppen in derGroßstadt und das Volksgruppengesetz; Werner Varga: Die BurgenländischenKroaten in Wien; Demeter Karall: Anmerkungen; Feliks J. Bister: Wien als kultu-relles Zentrum der Slowenen; Karl Matal: Die Wiener Tschechen und Slowaken imWandel der Jahrhunderte. Ein Beitrag zur Völkerverständigung; Ernő Deák: DieUngarn in Wien. Eine unsichtbare Volksgruppe? József Varga: Schlußbetrachtung.Barbara Mersich

Edith Hörandner- Friedl Jary, Mitfeiern! Festland Österreich. FesteFeiern Volkskultur. Verlag Jugend und Volk, Wien- München 1983, 160 S.Nach dem Wanderbaren Österreich verfiel die Österreichische Fremdenver-kehrswerbung neuerdings auf den Slogan Mitfeiern! Festland Österreich. Da dieWerbemanager aber offensichtlich keine rechte Vorstellung hatten, was darunter zuverstehen sei, gaben sie schnell einen- laut Vorwort- entsprechenden Kulturfüh-rer" in Auftrag, den zu erstellen sich Edith Hörandner und Friedl Jary bereit fanden.Es kann nun nicht Aufgabe dieser Rezension sein, sich mit der Werbestrategie desFremdenverkehrs auseinanderzusetzen, was gegenüber den Autorinnen auch unge-recht wäre. Die Volkskunde sollte davor aber nicht die Augen verschließen. Als Kul-turwissenschaft ist sie sehr wohl aufgerufen, im Problemfeld Fremdenverkehr Stel-lung zu beziehen. Dabei geht es nicht um die Frage, ob die Vorführung von Bauern-hochzeiten, die es ja immerhin schon seit dem 18. Jahrhundert gibt, sinnvoll ist, son-dern um die Tatsache, daß mit der Propagierung des Slogans vom Festland Öster-reich" beim Gast eine Erwartungshaltung hervorgerufen wird, die ihrerseits wiederdie Veranstalter unter massiven Zugzwang setzt. Das Ergebnis bilden dann die skur-rilsten Folkloredarbietungen, für die das Guiness- Buch der Rekorde zum Maßstabgenommen wird und die dem Ansehen unserer Volkskultur und der Würde derÖsterreicher ins Gesicht schlagen. Es ist die Aufforderung zu Servilität oder, um eskrasser zu formulieren, zur geistigen Prostitution.

Es gilt aber auch das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum vor dem totalen Zugriff des Fremdenverkehrs zubewahren. Dazu bedürfte es allerdings- und damit komme ich zur Kritik an demBuch einer Wesensbestimmung von Brauch, die in der Einleitung von Edith Hö-randner leider unterbleibt. Hier wird nur darauf hingewiesen, daß Volkskultur mehrals ein Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum sei, nicht aber, was man im Hinblick auf den Titel erwartet hätte,etwa auf die Kriterien des Festes, um hier zu einer Differenzierung zu gelangen.Denn Brauch und Fest bilden kein Synonym. Um nur einige Beispiele aus dem Buchwahllos herauszugreifen: der Umzug der Luzeln in Unterwart( Burgenland) ist keinFest( hier stören schon die gelegentlichen Besuche der Volkskundler), wohl aber dieWeinkost oder die Martinitage von Pinkafeld, der Antlaẞritt im Brixental( Tirol) istkein Fest, hingegen das Gauderfest im Zillertal sehr wohl, das Neujahrsanschießenoder die Osterfeuer sind bestenfalls Elemente( Symbol) eines Festes, aber noch nichtdas Fest selbst. Der Hinweis auf eine bewegliche Osterkrippe auf dem Philippsberg

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