Jahrgang 
86 (1983) / N.S. 37
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die Sensibilität hat, innere Freiheit und Würde, aber auch äußere Grausamkeit undArmut dieser Traditionsträgerschichten zu erkennen, ihren Enthusiasmus an derenGastfreundschaft und Humanität immer wieder zu entzünden und keine körperlicheund geistige Mühe zu scheuen, Dokumente dieser vergehenden Welt in die Schrifthinüberzuretten. Trotz aller Romantik stellt dieses gleichsam missionarische Be-wußtsein der Denkmalrettung das tiefere Movens ihrer enormen Arbeitsleistungdar. Dies klingt in ihrem Bericht immer wieder an. Zugleich will sie die Mit- undNachwelt teilhaben lassen an ihrer Entdeckung, und mit ihren kunstreichen Überset-zungen schlägt sie zweifellos, in altösterreichischer Geistestradition stehend, einevölkerverbindende Brücke.

Walter Puchner

Gerhart Prell, Totes Gebirge. Ein Landschaftsbuch über die Alpen zwischen Traunund Steyr; mit Tourenvorschlägen für Bergsteiger und Skiläufer. Oberösterreichi-scher Landesverlag Linz 1978, XVII, 75 Seiten und 75 ganzseitige Fotos.

Aus dem persönlichen Erlebnis des Bergsteigers gestaltet der Autor in 75 kurzen,launig geschriebenen Kapiteln, denen jeweils ein ganzseitiges Foto beigegeben ist,ein plastisches Bild von der Gebirgswelt rund um den Großen Priel. Das Buch wen-det sich in erster Linie natürlich an den Kletterer und Bergwanderer, da es aber imSinn bester Alpenliteratur auch die Kultur dieser Landschaft berücksichtigt, bietetes auch für ein breiteres Leserpublikum Interessantes. Prell zieht dazu nicht nur dieeinschlägigen Gebietsführer und Monographien heran, unter denen jene von GeorgGeyer aus dem Jahr 1878 zu erwähnen ist, sondern auch die Reiseliteratur, angefan-gen von J. Schultes bis F. C. Weidmann. Prell würdigt die Leistungen einzelner Per-sönlichkeiten( u. a. Erzherzog Johann, Friedrich Simony) an der alpinen und wissen-schaftlichen Erschließung des Toten Gebirges, er vergißt aber auch nicht auf die Be-deutung der alpinen Gilde D'Schermbergler" von Wels oder auf den..Skiklub Tele-mark" von Steyr, die Wegbereiter des Skisports in Oberösterreich waren, hinzuwei-sen. Ausgehend von den Bergnamen wird kurz die Besiedlung dargelegt. Man er-fährt, daß Bischof Otto II. von Bamberg das Spital am Pyhrn errichtete und daß dielutherischen Salzpascher einst den Salzsteig nicht zum Vergnügen benützten. Mitdem Kapitel über Die Stöderer in Haus und Sitte, Geschäft und Lebensweise" ver-weist der Autor auf eine wichtige, kaum bekannte volkskundliche Quelle: den bisheute unübertroffenen Lokalführer über Hinterstoder mit dem Stoderthale" vonJosef Angerhofer, den dieser 1891 noch unter dem Pseudonym A. N. Gerhofer her-ausbrachte. Weiters behandelte Prell die Holzbringung einst und jetzt, mit den,, Schwarzen Grafen" gedenkt er der einst blühenden Sensenschmiedezunft. Poin-tiert äußert er sich über Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum und Almleben, wofür er wieder die Reiseschrift-steller, aber auch F. C. Lipps Aufsatz über Volkskundliches aus dem Toten Gebir-ge" als Zeugen anführt. Dazu wird ein Gaßlspruch aus dem, Rasplwerk" von Kon-rad Mautner beigebracht und von Anton Schosser ein Gedicht über das Almsee-Echo. Zur Verherrlichung der Natur läßt Prell den Mundartdichter Gregor Gold-bacher mit A Buschn Almbleamerl und den berühmten Gebirgsmaler E. T.Compton antreten, dem es ebenfalls die Bergspitzen rund um den Großen Priel an-getan hatten. Von Franz Niedereder übernimmt Prell einige Sagen aus dem

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