wohlfundierter Veröffentlichungen das Alpwesen behandelt, vor allem 1948 imBuch„ Beiträge zur Rechtsgeschichte der Alpwirtschaft", das internationales An-sehen genießt.
Die volkskundliche Forschung macht nur einen Teil von Grass' wissenschaftli-chem Werk aus. Dazu kommen seine kirchenrechtlichen Arbeiten, die zusam-mengefaßt eine ausgezeichnete Wissenschaftsgeschichte der österreichischen Ka-nonistik ergeben, seine Studien zur Rechtsgeschichte der abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischen Königs-kirchen, zu den Reichskleinodien, dem Bildrecht des Herrschers im Heiligtum,der Rechtshistorie österreichischer Pfalzkirchen, der gefreiten Abteien in Tirol,das Werk ,, Der Wienerdom, die Herrschaft Österreich und das Land Tirol"( 1968), das Buch über„ Das Haller Damenstift und seine Kunstdenkmäler"( 1955), die Forschungen über den Brixner Fürstbischof Kardinal Nikolaus vonKues( 1401-1464) und vieles anderes, aber auch die Edition von Tiroler Weistü-men( 1966).
Mit gutem Grund hat die Universität Freiburg i. Ue. Nikolaus Grass den Dr.iur. h. c. und jene in Graz den Dr. phil. h. c. verliehen und aus ebenso berechtig-tem Grund wurde er wirkliches Mitglied der österreichischen Akademie der Wis-senschaften und Corr. Fellow der British Academie und empfing andere Ehrun-gen. Eine ungebrochene Schaffenskraft und die unabdingbare Treue eines großenGelehrten zu der in der Wissenschaft verkörperten Wahrheit lassen uns nochmanche reife Frucht aus der Feder von Nikolaus Grass erhoffen. Die Volkskund-ler danken ihm dafür besonders.
Louis Carlen, Brig
Viktor Geramb
Ein Gedenken
Viktor von Geramb, der Gründer des Steirischen Volkskundemuseums würde1984 seinen 100. Geburtstag feiern. In diesem Jahr, am 8. Jänner, haben wir anseinen Tod vor 25 Jahren zu denken.
Der gebürtige Deutschlandsberger studierte an der Grazer Universität Ge-schichte, Germanistik und Geographie, hat sich aber zeit seines Lebens vor allemals Schüler des bedeutenden Indogermanisten Rudolf Meringer gefühlt. Von Me-ringer ging auch die Anregung zur Beschäftigung mit der Volkskunde aus.
Am 1. Mai 1909 wurde Geramb Sekretär am Kuratorium des Joanneums. Hierbegannen seine vorbereitenden Arbeiten zur Gründung des Volkskundemuseumsals einer neuen Abteilung des Joanneums, nicht zuletzt auch durch seine Beschäf-tigung mit dem Erzherzog- Johann- Archiv angeregt.
Im Mai 1913 besuchte er einen der damals berühmten Museumskurse bei Ge-heimrat Dr. Georg Hager in München. Zurückgekehrt lenkte Geramb seinAugenmerk auf das damals leerstehende Gebäude in der Paulustorgasse, das ehe-malige Kapuzinerkloster. Noch im selben Jahr begann er mit der Einrichtung derneuen Abteilung, zu deren Leiter er bestellt worden war.
Nun begannen seine zahlreichen Sammelfahrten durch das ganze Land, um dievon anderen Abteilungen des Joanneums, vor allem dem Kunstgewerbemuseumüberlassenen einschlägigen Bestände zu ergänzen. Freundschaftliche Hilfe fandGeramb im Volksliedforscher Viktor Zack, in Hans Kloepfer, im damaligen
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