touristische Zwecke gestalteten und seit Jahren von volkskundlicher Seite hinläng-lich dokumentierten Schaubräuche wird zum anderen offensichtlich, daß sichP. Kaufmann nur ungern der Mühe unterzog, jene kleinen brauchmäßigen Hand-lungen des Alltags im Familienkreis, am Arbeitsplatz, im„ Grätzel“ eines Bezirkesoder etwa gar einer bestimmen Sozialschicht, beispielsweise der Fabriksarbeiter( z. B. H. Grünn: Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum der Fabriksarbeiter. Beobachtungen in der VOEST-ALPINE AG. Mitt. d. Inst. f. Gegenwartsvolkskunde, Nr. 2), in sein Buch auf-zunehmen.
Dies wäre zweifellos verdienstvoller gewesen, würde dem Buchtitel„, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumin Österreich" entsprechen und wäre auch der heutigen Disziplin Volkskunde ge-rechter geworden. Denn„ Volk“ nach wie vor als rein bäuerlich, ja schichtenlos dar-zustellen und Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum als Spiegelbild der Volksseele zu sehen, die mit Fruchtbar-keitskult, Dämonenabwehr und magischer Zahlensymbolik nach wie vor das realeLeben beeinflußt, ist beim derzeitigen volkskulturellen Forschungsstand schon mehrals unzeitgemäß. Gerade auch in einem Buch für Laien sollte diesen Klischeevorstel-lungen energisch entgegengetreten werden. Die Begriffe„ früher“,„ einst“,„ ehe-dem" wurden zwar statt„ uralt" gesetzt, lassen aber letztlich die Datierungen vonBrauchentstehung und-veränderung vage im Raum stehen.
Die Auseinandersetzung mit der jüngeren Fachliteratur aus dem Brauchkomplexhätte vermutlich die vielen Schwächen dieses Buches nicht aufkommen lassen undmöglicherweise Platz geboten für nähere Details zu Zeitpunkt und Örtlichkeit derbeschriebenen Brauchveranstaltungen. Denn ein Brauchtumsbuch Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsbuch für Laien ohnederartige Informationen hat wohl wenig Sinn: Es gestattet nur ein literarisches Nach-vollziehen im Lehnstuhl zu Hause, eventuell auch das Betrachten schöner Bilder.Ein schönes Bilderbuch? Das wohl nicht ganz, aber auf keinen Fall ermöglicht es eintatsächliches Miterleben am Ort des komplexen Brauchgeschehens. Also wieder ein-mal eine vertane Gelegenheit, Volkskunde mit ihrem Bezug zur Gegenwart, zumAlltag, zum ländlichen und städtischen Leben und last, not least, zum derzeitigenForschungsstand allgemein verständlich zu machen.
Gertraud Liesenfeld
-
Otto Koenig, Klaubauf – Krampus Nikolaus. Maskenbrauch in Tirol undSalzburg. Wien. Edition Tusch, 1983. 23 Seiten, 60 ganzseitige Farbfotos.
Gerade rechtzeitig zu den Schenkterminen Nikolaus und Weihnachten erschien inder Edition Tusch ein schmales, unverhältnismäßig teures Bändchen des populärenVerhaltensforschers Otto Koenig. Der Titel verspricht Volkskundliches- und dervolkskundlich gebildete Leser erhofft sich überdies eine Auseinandersetzung desAutors mit den wissenschaftlich fundierten Einwänden, die u. a. Leopold Schmidtgegen Koenigs mehrfach geäußerte„ Interpretation" des Nikolausbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Nikolausbrauchtums vor-gebracht hat( ÖZV XXXIV/ 83, 1980, S. 270 ff.). Er-- der Leser hofft vergebens;er findet sechzig Farbbilder( darunter auch eins der Oberlienzer Perchtenmasken-was soll es in diesem Zusammenhang?), sechs Schwarzweißfotos sowie siebzehn Sei-ten Text, in welchem allzu kurz auf die Bildinhalte und Brauchabläufe eingegangenund ansonsten so getan wird, als seien die darin getroffenen Feststellungen unan-gefochtene Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung,„ erarbeitet im Institut fürVergleichende Verhaltensforschung der Österreichischen Akademie der Wissen-
77