Die kurz und bündig gegebene, aber immer auch für einen Außenstehenden sehrverständliche Beschreibung wird unterstützt durch die jeder Tracht beigegebenenZeichnungen und Detailhinweise. 25 Farbfototafeln zeigen recht ansprechend dasErscheinungsbild der beschriebenen Trachten. Man erkennt an der klaren Aus-drucksform des Textes die langjährige Praxis der stets intensiv mit Trachtengeschich-te, Forschung und Erneuerungsfragen befaßten Kustodin. Mit dem Buch, das sichmit Recht ,, Alte Volkskunst" nennt, wird aber auch dem allgemein trachtlich interes-sierten Nichtsteirer die schlichtschöne Welt der steirischen Tracht, ihre wirklich er-greifende einfache Volkskultur vor Augen geführt.
Unter den hundertein Frauen- und vierundvierzig Männertrachten- wenn ichrecht gezählt habe-, sind mir als einmalig steirisch das Stutzfrackerl, der Steirer-frack und der Johanniterrock aufgefallen und bei den Frauen die Alltagstracht desoberen Murtales mit Stehbündchen und gezogenem Brustteil, dann die passepoilier-te Formblende am Halsausschnitt der karierten Reiner Alltagstracht und der farb-liche Einsatz am Mittelteil des Wildoner Alltagsleibchens. Für eine zweite Auflagewäre ein Namensverzeichnis der Trachten mit laufender Numerierung und Seitenan-gabe zur leichteren Auffindung für nicht so versierte Ortskenner Steiermarks zu be-grüßen.
Friederike Prodinger
Paul Kaufmann: Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum in Österreich. Feste, Sitten, Glaube. Wien/ Ham-burg, Zsolnay- Verlag, 1982. 328 Seiten, 32 Textabbildungen und 49 Farbbilder.,, Vom anderen Österreich soll die Rede sein. Vom einfachen Leben. Vom Volk.Von seinen Sitten und Bräuchen, von seinen Festen, vom Glauben und Aberglau-ben, von der Arbeit. Das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum eines Volkes ist das Spiegelbild seiner Seele,aber auch der Stammeseigentümlichkeiten." So lauten die ersten Sätze einesweiteren Buches, das im Kielwasser der seit geraumer Zeit den Buchmarkt über-schwemmenden volkskundlichen Literatur im Zsolnay- Verlag 1982 erschienen ist.
Paul Kaufmann, ein promovierter Volkskundler, versucht, unter dem Buchtitel,, Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum in Österreich. Feste, Sitten, Glaube", einen Einblick in die vielfältigeBrauchlandschaft Österreichs zu geben. 328 Seiten unterteilt der Autor in die Über-kapitel ,, Jahrlauf“,„ Lebenslauf“,„ Glaube und Aberglaube“,„ Heiligenkalender".Ein vierseitiges Literaturverzeichnis, ebenso wie ein fünfseitiges Sach- und dreiseiti-ges Ortsregister sollen die Ernsthaftigkeit der Publikation unter Beweis stellen. DerUmfang des Textes sowie fotografisch einwandfreie Farb- und Schwarzweißbildermit dem Laien- denn dieser ist der Adressat des Buches- möglicherweise exotisch Glossar ::: zum Glossareintrag exotischanmutenden Brauchgestalten, wie etwa„ Riese Samson“,„ Lutzlfrau“,„ Stroh-schab“,„ Schön- und Schiarchperchten", aber auch mit bekannteren Brauchsujets,wie beispielsweise„ Almabtrieb“,„ Kirtag“ und„ Votivtafel“, springen beim erstenDurchblättern ins Auge und machen neugierig.
Doch schon beim Lesen des Inhaltsverzeichnisses müssen Zweifel aufkommen obder vollständigen Abdeckung des Themenbereiches. Zum einen fällt auf, daß fastausschließlich Bräuche aus dem ländlichen Raum aufgezeichnet wurden und somit-sieht man von einigen Ausnahmen ab( Eierverkauf am Wiener Naschmarkt zuOstern, Christkindlmarkt in Wien, Grazer Fetzenmärkte)- Städte augenscheinlicheine Brauchgrenze für den Autor bilden. Durch die Erfassung der immer mehr für
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