Frank Sysyn und Matthias Kaltenbrunner, Vom Bojkenland nach Basel
Rückschau auf seine Zusammenarbeit mit dem Schweizer Volkskundler,die zu diesem Zeitpunkt wohl schon beendet war. Spätere Kontakte sindnicht mehr bezeugt.
Aus der Korrespondenz lassen sich mehrere inhaltliche Ebenenunterscheiden, die in der Folge analysiert werden sollen. Beide Männerbegegneten einander mit ausgesuchter Höflichkeit, wobei sie es meist beider Anrede ,, Herr" beließen, sich manchmal aber auch mit„ Herr Pfarrer"bzw.„ Herr Professor" betitelten. Die Rollenverteilung war von Anfangan klar abgesteckt: Eduard Hoffmann- Krayer sah in Mychajlo Zubryckyjweniger einen Kollegen denn einen Materialbeschaffer, der seine Samm-lung erweitern würde- freilich einen, der diese Materialbeschaffung aufeinem hohen wissenschaftlichen Niveau zu leisten im Stande war. Dieszeigen die genauen Instruktionen Hoffmann- Krayers, der nicht nur die,, volkstümlichen Namen" der ethnografischen Objekte, die ihn interes-sierten, erfahren wollte, sondern auch Erklärungen zu ihrem Verwen-dungskontext und Skizzen bzw.- bei größeren Gerätschaften- Modelleder jeweiligen Museumsexponate in spe forderte. Mychajlo Zubryc'kyjversuchte nach besten Kräften, den Wünschen des Schweizers entgegen-zukommen. Gleichzeitig hatte die Kommunikation zwischen Hoffmann-Krayer und Zubryc'kyj auch eine kommerzielle Komponente: Letztererließ sich von Ersterem die Objekte abkaufen, die Post- und Zollgebüh-ren( alles wurde per Post transportiert) und seinen Aufwand vergüten.Dies führte schließlich auch zu einem Missverständnis, als Zubryc❜kyjHoffmann- Krayer einige allzu ausgefeilte Abbildungen zusandte und60 Kronen dafür verlangte, während der Schweizer lediglich grobe Skiz-zen gewollt hatte und die erhaltenen Zeichnungen dem Priester zurück-schickte. Diese Episode tat der weiteren Zusammenarbeit zwischen denbeiden Männern jedoch keinen Abbruch, und Zubryc'kyj erwähnte siesogar in neutralem Tonfall in seinem Zeitungsartikel.
Hoffmann- Krayer war gewiss ein fordernder Partner: Er wusstegenau, wonach er suchte, und machte gleichzeitig deutlich, welche Objekteihn nicht interessierten. Auf die von Zubryc'kyj beschriebenen Schuhewar er vor allem deshalb aufmerksam geworden, weil sie ihm, wie er imersten erhaltenen Brief angab,„ besonders interessant und altertümlich“schienen. Auch in seinem zweiten Brief betonte Hoffmann- Krayer, dasssein Hauptaugenmerk auf„ primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv- altertümlichem Landwirtschafts-,Handwerks-, u. Hausgerät“ liege, das ihm„ auf's Höchste willkommenwäre". Im April 1910 konkretisierte er, was er darunter verstand:„ Sehrinteressieren würden mich Webstuhl, Wassermühle, Wagen, Gersten-
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