Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde122 (2019) / N.S. 73Fendl, Elisabeth: Der „Egerer Ofen“ von Willy Russ. Volkskunst und Politik

  
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Der „Egerer Ofen“ von Willy Russ. Volkskunst und Politik
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Elisabeth Fendi, Der Egerer Ofen" von Willy Russ

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tet und unterstützt wurde diese Nationalisierung durch einen idylli-sierenden Rückgriff auf ein scheinbar konfliktfreies vorindustriellesLandleben. Dies lässt sich etwa an den Arbeiten Zindels wie auch andem hier in Rede stehenden Ofen belegen.

Zentrale Darstellung seiner Schauseite ist

=

birnenförmig

gerahmt der Tanz um den Maibaum am 1. Mai, ein Brauchtermin,von dessen Bedeutung innerhalb der Arbeiterkultur die National-sozialisten wussten und den sie bereits 1933 als Tag der nationalenArbeit zum staatlichen Feiertag machten, um ihn für ihre Propa-gandazwecke zu nutzen.57 Dabei behielten sie seine folkloristischeRahmung bei, auch als er 1934 in Nationaler Feiertag des deutschenVolkes" umbenannt wurde.58 Die Darstellung des Maitanzes wirdvon Russ bekrönt von dem Ausruf Füar unna Hoimat ålls"[ Fürunsere Heimat alles], seit den 1920er Jahren Leitspruch des Bundesder Egerländer Gmoin mit eindeutig aggressiver expansiver Note.Neben dem Motiv des Maitanzes sind auf dem Ofen auch andereBrauchszenen dargestellt, deren Gestaltung in der Zeit des National-sozialismus ihres ursprünglichen Kontextes entlehnt und ideologi-siert wurden, wie das Oster- oder Saatreiten und das Sonnwendfeuer.Unter dem Relief des Maitanzes wird in einer längsrechtecki-gen Kartusche der Kammerwagen präsentiert, 59 links und rechts davonDarstellungen des Elternsegens und der Kindstaufe. Wir finden also

von der Tschechoslowakischen Regierung verbotenen Deutschen Natio-nalsozialistischen Arbeiterpartei und der verbotenen DeutschnationalenPartei. 1935 erfolgte die Umbenennung in Sudetendeutsche Partei. Beiden Parlamentswahlen 1935 wurde die SdP zweitstärkste Partei in derTschechoslowakei. Henleins frühe Kontakte zur NSDAP wurden immer

enger.

57 Vgl. dazu Karlheinz Schmeer: Die Regie des öffentlichen Lebens imDritten Reich. München 1956.

58

Gottfried Korff hat in seinen Untersuchungen zum 1. Mai u. a. beschrie-ben, wie das Nichteingebundensein des Ersten Mai in kirchlich- religiöseBezüge die Grundlage dafür war, daß der Brauch- je nach Kontext-mit unterschiedlich politisch- sozialen Intentionen aufgeladen und zum, interaktiven Symbolkern' für soziale Lagedeutungen werden konnte".Vgl. dazu Gottfried Korff: Heraus zum 1. Mai". Maibrauch zwischenVolkskultur, bürgerlicher Folklore und Arbeiterbewegung. In: Ders.( wie Anm. 5), S. 16-52, Zitat S. 21.

59 Zum Hochzeitsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Hochzeitsbrauchtum in Westböhmen vgl. Josef Hofmann: Eger-länder Hochzeitsbräuche um 1830. Dramatisch dargestellt in 9 Aufzügen.Karlsbad 1924.