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ÖZV, LXXV/ 124, 2021, Heft 2
Bilder, literarische Texte, Feuilletonartikel, psychologische Literatur,Filme und Onlinevideos, die Sammler* innen zum Thema haben. Indiesen Materialien eröffnete sich ein breites Panorama an Imaginatio-nen und Zuschreibungen. Sammler( in aller Regel in der männlichenForm) erscheinen hier als Connaisseur, Bewahrer, Experte, aber auchals( Anal-) Neurotiker, Freak, Messie, Nerd oder Junkie. 24 Die Spur,der ich gefolgt bin, verweist dabei auf keine Totalität oder struktura-listisch eindeutige„ kulturelle Tiefengrammatik“. Die mannigfaltigenZuschreibungen, so meine Deutung, verdichten sich zu einer schil-lernden kulturellen Figur, zu der sich Sammlerinnen und Sammlerverhalten, zu der sie sich positionieren können.25 Das ist jedenfallsdie neue Ordnung, das diskursive kulturwissenschaftliche Angebot,in das ich die Spur überführte, durch deren Linse ich sie interpretierthabe. Auch hier wird deutlich:„ Etwas ist nicht Spur, sondern wirdals Spur gelesen.“ 26 Die Unaufmerksamkeit desjenigen, der die Spu-ren hinterlässt, und die Aufmerksamkeit des Spurenlesers, der dieSpuren auffindet und identifiziert, sind Vorder- und Rückseite derSpur im Sinne des Indizienparadigmas.27 Spurenlesen hat also immerauch mit Spekulation zu tun.28 Der„ Spür- Sinn“, den Linder in die-sem Zusammenhang einfordert, hat in der ethnografischen Forschung
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Insbesondere vermeintlich negative, pathologisierende Attribute werdenin popkulturellen Kontexten auch affirmativ und spielerisch verhandelt.Ein eindrückliches Beispiel hierfür ist der Begriff des„ Vinyl Junkies“, derals Fremd- und Selbstzuschreibung fungiert. Dieser hat zwar im Extrem-fall die Kontrolle über seine, Sammelleidenschaft' verloren, ist aber auchderjenige, der den, guten Stoff' kennt.
Gemündet ist das in den Track Der Sammler als( Anti-) Figur, Elster( wieAnm. 7), S. 143–160. Vgl. zum Konzept der kulturellen Figur: MoritzEge: Ein Proll mit Klasse: Mode, Popkultur und soziale Ungleichheitenunter jungen Männern in Berlin. Frankfurt a. M. 2013, hier insbesondereS. 49-74, sowie: Moritz Ege, Jens Wietschorke: Figuren und Figuratio-nen in der empirischen Kulturanalyse. Methodische Überlegungen amBeispiel der, Wiener Typen' im 18. bis 20. und des Berliner, Prolls' im21. Jahrhundert. In: LiThes. Zeitschrift für Literatur- und Theatersozio-logie 11, 2014, S. 16-35.
Krämer( wie Anm. 3), S. 16.
27 Vgl. ebd., S. 17.
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Besonders zugespitzt erscheint der Aspekt des Spekulativen, wenn Spu-ren als Anzeichen der Zukunft gedeutet werden, wie es Arjun Appaduraiin seinem Vortrag Traces of the Future im Rahmen des Berliner Instituts-kolloquiums am 20.4.2021 vorschlug.