Christian Elster
Follow the Tracks. Zur Methodologieder Spurensuche in derethnografischen Kulturanalyse
Die Spurensuche als Wissenspraxis stellt eine grundlegende Methodolo-gie der Europäischen Ethnologie dar. Entwickelt anhand einer empiri-schen Studie zum Thema Musiksammeln, begibt sich der Text auf eine, Spurensuche nach der Spurensuche' in ethnografisch arbeitenden Diszi-plinen. Es wird exemplarisch vorgeschlagen, Spurensuche in Anlehnungan Rolf Lindners Kulturanalyse sowie den follow the actor- Imperativpraxeografischer Zugänge programmatisch als umfassende Methodolo-gie ethnografisch- kulturanalytischer Alltagsforschung zu verstehen, dieferner auch Fragen der textlichen Repräsentation mit einschließt.
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„ Spurensuche“ ist in der ethnografischen Kulturanalyse ein häufig ver-wendeter Begriff, um methodisches Vorgehen zu beschreiben.' Waser im Einzelnen bedeutet, bleibt dabei oft vage, und es drängen sichFragen auf: Ist mit Spurensuche eine konkrete Methode gemeint odersteht der Terminus metaphorisch für eine Art offene Suchbewegung,
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Die Begriffe„ Spur“ und„ Spurensuche“( engl. meist trace und tracking)finden sich in zahlreichen thematisch wie theoretisch sehr unterschiedli-chen Texten, die teils Gegenstand der folgenden Ausführungen sind. Sieheexemplarisch: Anna Tsing: Der Pilz am Ende der Welt. Über das Lebenin den Ruinen des Kapitalismus. Berlin 2019; Michel Massmünster: ImTaumel der Nacht. Urbane Imaginationen, Rhythmen und Erfahrungen.Berlin 2017; Bruno Latour: Reassembling the Social. An Introduction toActor- Network- Theory. Oxford 2005; George Marcus: Ethnographyin/ of the World System: The Emergence of Multi- Sited Ethnography.In: Annual Review of Anthropology 24, 1995, S. 95–117. Zudem findendie Termini häufig als( Unter-) Titel von Publikationen, Vorträgen oderLehrveranstaltungen Verwendung. Sie scheinen hier als Platzhalter für