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ÖZV, LXXV/ 124, 2021, Heft 1
sie wurden häufig kranck, und von den continuirlichen Rauchliegensahen sie auss, alss wie der Schornsteinfeger den Winter über.“ 87
2.9 Tod
Den Polen ereile der Tod, wie der Völkertafel zu entnehmen ist, imStall( oder in einer Scheune); folglich sterben die Einwohner* innen derAdelsrepublik in einem Raum, der eigentlich für Tiere vorgesehen sei.Alois Eder erwägt, ohne es mit Quellen zu belegen, ob diese Feststel-lung nicht eine positive Färbung habe, so könnte dies die besondereVorliebe des polnischen Adels für seine Pferde bedeuten.88 Doch ver-mutlich soll die Erwähnung des Stalls eher auf die bäuerlichen Sittenverweisen. Ein österreichischer Offizier, Alphons H. von Traunpaur,schreibt in seinen 1787 veröffentlichten Dreissig Briefe[ n] über Galizien,die Einwohner innen der neuen habsburgischen Provinz„ liegen hiermit allerley Vieh untereinander auf der Erde herum“.89 Daher sei nachAnsicht des Verfassers der aus früheren Quellen der wohl eher unbe-kannte Spruch„ Polonus nascitur, vivit et moritur in stabulo❝9⁰ durch-aus berechtigt.
3. Fazit
Eine vergleichende Analyse der Völkertafel mit den Reiseberichtenbestätigt, dass wir es um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert miteinem etablierten Kanon von Vorstellungen über die polnisch- litaui-sche Adelsrepublik zu tun haben: Die Polen werden als ein rohesVolk mit primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven Sitten dargestellt, das der Wissenschaft, Kulturund Kunst keine große Beachtung schenkte. Die Landschaft wirdbeschrieben als von Wäldern dominiert, voller Wildtiere, die man inanderen europäischen Ländern nicht mehr kannte. Mithin wird auchdie Politik als eine von nicht weniger wilden Adeligen beherrschtecharakterisiert, die sich, anstatt sich auf staatliche Angelegenheitenzu konzentrieren, auf das Private fokussierten. Die Entstehung und
87 Ebd.
88
Vgl. Eder( wie Anm. 9), S. 250-251.
89 Alphons H. von Traunpaur: Dreissig Briefe über Galizien.
90
Wien, Leipzig 1787, S. 83.
Ebd.