Aufsatz in einer Zeitschrift 
Eine Lanze für Luzifer!
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Martin Scharfe, Eine Lanze fur Luzifer!

cherweise größeren Potenz: Anrufungen des Teufels, Verschreibungen,Verträge, Bündnisse.² Und das war nicht festliche Oper( wir denken anWebers>> Freischütz«<), sondern Überlebensangst und bittere Not eineskalten Lebens, für die uralte Verhaltensmuster bereitlagen aus unterirdi-schen Traditionen des Zweifels mitten im> christlichen< Abendland Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendland.³ Alswie gefährlich sie betrachtet werden mußten, sieht man nicht nur an derSpur der Verbrennungen sogenannter Ketzer, sondern auch am kirchli-chen Programm der Verteufelung des Teufels, dem unsere InnsbruckerLuzifer- Figur entstammt.

Freilich weiß man schon lange von der Nähe des Erhabenen zumLächerlichen, und so bestand vielleicht von jeher die Gefahr, daß im Pro-gramm der Verteufelung des Teufels der Schuß( wie man sagt) nach hin-ten losgehen konnte- daß also das Abscheuliche, das Unflätig- Häßlicheins Grotesk- Komische umzukippen begann, ja gar in romantische An-rührung. Deshalb fiel Hans Christian Andersen, dem großen dänischenErzähler, die Bemerkung ein, der Teufel habe Geschmack"; denn er spre-che eine romantische Ader in uns an. Doch hat der Teufel in diesem Sin-ne nicht nur Geschmack( möchten wir gleich anfügen), sondern er istauch gescheit; jedenfalls hatte Luzifer im alten tirolischen Stubenspiel- als zweites Ich sozusagen-- stets den> Verstellten bei sich, eine Gestalt,die mit den allervernünftigsten Argumenten die Leute auf ihre Seite zuziehen suchte. Luzifer ist also keineswegs nur der Romantiker; er ist dieAmbivalenz in Person; er ist stets zugleich auch der aufklärerische undaufgeklärte Antipode einer gefälligen Romantik: Luzifer ist, ganz gegenallen äußeren Schein, der Aufklärer!

Luzifer ist der radikale Aufklärer, weil er( mit Immanuel Kant) dieParole vertritt:» Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!<< 5Das ist Menschenrecht und Menschenpflicht, weshalb Friedrich Schiller

2 Vgl. Martin Scharfe: Über die Religion. Glaube und Zweifel in der Volkskultur.Köln, Weimar, Wien 2004, S. 199f.

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Vgl. ebd., S. 219-221.

Vgl. Hans Christian Andersen: Schattenbilder von einer Reise in den Harz, die Säch-sische Schweiz etc. etc. im Sommer 1831. Hg. von Ulrich Sonnenberg. Frankfurt amMain, Leipzig 2002, S. 164. Andersen knüpft seine Notiz an die Beobachtung, daßromantische Orte der Landschaft oft mit dem Namen des Teufels belegt sind( Teu-felsbrücke,-schlucht,-stein).

Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?( 1784), in: Ders.:Was ist Aufklärung? Aufsätze zu Geschichte und Philosophie. Hg. von Jürgen Zeh-be. 3. Aufl. Göttingen 1985, S. 55-61, S. 55. Hervorhebung bei Kant!

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