Chronik der Volkskunde
rigkeiten zwischen den» Idealen«< Kollektiv und Individualität entstün-den. Ein anderer Widerspruch, den der» mobile Kapitalismus« erzeuge,so Dr. Gerlinde Vogl und Dr. Sven Kesselring( Lehrstuhl für Soziologie,TU München), sei jener zwischen mobilem Kapital und sozial und räum-lich verorteter Arbeit. In ihrer qualitativ ausgelegten Forschung mit 40ArbeitnehmerInnen mit Auslandserfahrung stellten sie fest, dass durchdie Arbeitsverdichtung und die zunehmende Reisetätigkeit die Integ-ration im Unternehmen sinke. Anschließend konkretisierte Dr. SannaSchondelmayer( Berlin/ Jena) am Beispiel eines deutschen Managers dasMobilitätserfordernis als rite de passage. Dr. Silke Roth( School of SocialSciences, University of Southampton) stellte die postkoloniale Lebens-situation westlicher HilfsorganisationsmitarbeiterInnen dar: trotz ihresHilfsanspruchs reflektierten sie die Situation in afrikanischen Ländernals>> semi- kolonial<«<, da sie unvermeidbar einhergehe mit Ungerechtigkei-ten( unterschiedliche Bezahlung der einheimischen Organisationsmitar-beiterInnen, Prostitution).
Die zweite Sektion des Eröffnungstages, zum Thema>> Europäische( Trans-) Migration«<, wurde von Dr. Sabine Hess( Institut für Volkskun-de/ Europäische Ethnologie, LMU) eingeleitet. Sie beschrieb» Trans-nationale Zonen der Prekarität<«<. In ihrem Vortrag machte sie auf dieklassenproduzierende Funktion von Grenzen aufmerksam: sie dientennicht mehr dem territorialen Schutz, sondern der Verfügbarmachung undFlexibilisierung migrantischer ArbeitnehmerInnen. Ein weiteres Referatvon Ramona Lenz M.A.( Institut für Kulturanthropologie, UniversitätFrankfurt/ M.) behandelte das Beispiel Zypern, wo durch den EU- Bei-tritt 2004 eine fein gegliederte Abstufung von nicht- dokumentierter Ar-beit und( il-) legalem Aufenthalt entstanden sei. Der Beitrag von Dr. JuliaMahnke- Devin( Geschichte Ost- und Mitteleuropas, LMU) untersuchtedie Mobilisierung in historischer Perspektive am Beispiel britischer Mi-gration ins Russland des 19. Jahrhunderts.
Übergeordnetes Thema der Panels am zweiten Tagungstag war die>> gesellschaftliche Transformation unter ökonomischer Radikalisierung<<.Die erste Sektion zur Anwendungsorientierung der Ethnografie wurdebegonnen von der Organisationsethnologin Dr. Susanne Spülbeck( Win-deck). Sie behandelte die Steuerung des demografischen Wandels in Un-ternehmen unter Heranziehung ethnografischen Wissens. Der Vortragvon der Soziologin und Politikwissenschaftlerin Dr. Andrea Gabler( Se-minar für Politikwissenschaft, Universität Göttingen) beschäftigte sichmit der französischen politischen Gruppe Socialisme ou Barbarie Glossar ::: zum Glossareintrag Barbarie und
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