Library / Self-PublishedÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Johler, Birgit: Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche

  
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Das Österreichische Museum für Volkskunde in Zeiten politischer Umbrüche : erste Einblicke in eine neue Wiener Museumsgeschichte
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Birgit Johler

ÖZV LXII/ 111

Mautner diese Sammlung veräußerte bzw. veräußern musste und obsie beide Summen erhalten hat, ist ungewiss. Die für die Unterschriftvorgezeichneten Felder sind nicht unterschrieben, ein Erhalt derAnkaufsbeträge somit nicht dokumentiert.

Die Erwerbungsgeschichte nicht nur dieser Sammlung muss imDetail im Zuge einer konsequenten Provenienzforschung rekonstru-iert werden. Darüber hinaus sind die erworbenen Objekte und ihreehemaligen Eigentümerinnen und Eigentümer im Rahmen des anvi-sierten Forschungsvorhabens auf mehreren Ebenen zu befragen: WarHaberlandt mit den Geschädigten vor 1938 bekannt, wusste er garvon den Objekten und Sammlungen? Welche Spielarten der ,, Erwer-bung kannte das Museum? Mit welchen Behörden wurde zusam-mengearbeitet? Welche Sammlungsidee lag dem Erwerb der Objektezugrunde? Welche Bearbeitung erfuhren die nun in ,, arische Händeübergeleiteten Objekte im Museum( Inventarisierung, Archivierung,Aufstellung im Rahmen einer Sonderausstellung etc.)?

Jüdische Kultur war bis 1938 fixer Bestandteil der ständigenSchausammlungen81, mit der Machtübernahme der Nationalsozialis-ten erfuhr nicht nur die Haltung diesen Objekten gegenüber eineModifikation, auch wurden jegliche Verbindungslinien zu ehemali-gen jüdischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Forscherinnen undForschern des Hauses abgeschnitten. Eugenie Goldstern( 1883-1942)brachte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine repräsentative Samm-lung an bäuerlichen Objekten aus Randgebieten der Schweiz,Frankreich und Italien nach Wien ins Museum und publizierte Bei-träge zu ihren Forschungen in der Wiener Zeitschrift für Volkskunde.Ihr Schicksal ist bekannt, Eugenie Goldstern wurde 1942 zuerst nachIzbica und dann nach Sobibor deportiert. Der Kontakt zum Museumwar schon Jahre zuvor zum Erliegen gekommen.82 Auch HeinrichMoses( gest. 1920) und Rudolf Trebitsch( 1876–1917) waren wich-tige Vereinsmitglieder jüdischer Herkunft, deren rege Sammel-tätigkeit für das Museum bedeutende Bestände einbrachte. 1938wurde die in den 1920er Jahren im Museum angebrachte Metalltafel,

81 Vgl. Anm. 21.

82 Vgl. hierzu u.a. Ur- Ethnographie. Auf der Suche nach dem Elementaren in derKultur. Die Sammlung Eugenie Goldstern. Katalog zur gleichnamigen Ausstgel-lung im Österreichischen Museums für Volkskunde, 29.8.2004-13.2.2995(= Ka-taloge des Österreichischen Museums für Volkskunde, 85). Wien: Österreichi-sches Museum für Volkskunde 2004.