Aufsatz in einer Zeitschrift 
Das „Samson- Fiasco“ 1898 : eine Episode aus der Frühzeit des Volkskundemuseums Wien
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LXII/ 111, Wien 2008, 201-228

Das ,, Samson- Fiasco" 1898

Eine Episode aus der Frühzeit des Volkskundemuseums Wien

Hans Bayr

Im Jahr 1898 fuhr der Direktor des Wiener Volkskundemu-seums Dr. Michael Haberlandt auf eine Sammelreise nachMauterndorf im Lungau, Land Salzburg. Bürger sicherten ihmdie Überlassung des Samson zu, einer überlebensgroßenTragefigur des örtlichen Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums. Wieder zurückgekehrt,verfasste er einen Beitrag über die Reise im Feuilleton der,, Neuen Freien Presse, das die einheimische Bevölkerungsehr verärgerte. Die Bürger widerriefen die Überlassung undübergaben die Figur dem Salzburger Museum. Das Aufeinan-derstoßen des gelehrten Funktionärs der Volkskunde mit der,, exotischen Glossar ::: zum Glossareintrag  exotischen" Bevölkerung im Lungau wirft ein interessantesSchlaglicht auf die Situation der österreichischen Volkskundein den Gründungsjahren.

Im August 1894 kaufte der Berliner Arzt Dr. Hermann Epenstein vomBürgermeister und Postmeister des Marktes Mauterndorf im Lungau,Isidor Gugg, die dort am Ortseingang gelegene Ruine des SchlossesMauterndorf. Epenstein- am 8. Jänner 1850 in Berlin als drittes Kindeines angesehenen Berliner Arztes geboren- hatte an den Universi-täten Königsberg, Bonn und Würzburg Medizin studiert und übteetwa seit dem Jahr 1876 den Beruf eines praktischen Arztes inmehreren Städten Deutschlands aus, zuletzt wieder in Berlin. Wäh-rend seiner freiwilligen Militärdienstzeit erwarb er den Dienstgradeines ,, kgl. preuß. Stabsarztes, was dem Rang eines Hauptmannsentsprach. Dieser Titel, den er mit der Beifügung ,, a.D. stolz Zeitseines Lebens führte, bezeichnete zur Zeit des Fin de siècle seinegesellschaftliche Position. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1892hatte er ein großes Vermögen und mehrere Häuser in Berlin geerbt,worauf er offensichtlich seinen Broterwerb endgültig aufgab undPrivatier wurde. 1897 erwarb Hermann Epenstein weiters die BurgVeldenstein in Neuhaus an der Pegnitz und richtete dort in der Folgeseinen Hauptwohnsitz ein. Von nun an pendelte er zwischen den Orten