2008, Heft 2
Mitteilungen
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und aufnahmebereit. Die Unvoreingenommenheit, das Sehen abseits kom-plexer Konzept- und Durchführungsstrukturen ermöglicht erst die Wahrneh-mung des Geschehens. Durch die Bewegung nach draußen werden in dieSammlung Spuren gesellschaftlicher Entwicklungen und sich verändernderBedeutungsqualitäten eingeschrieben. Die Volkskundlerin und Kulturan-thropologin Ina- Maria Greverus weist darauf hin, dass sich die ,, globaleÖkumene“ für die meisten Menschen zwar medial vermittelt, aber dasshinter dieser Vermittlung auch heute noch die reisenden bzw. die bewegli-chen Berichterstatter stehen. Es sind diejenigen, die vor Ort waren, dort, wodie ,, globalen Vernetzungen in den routinierten Alltagen und den Zeitendramatischer Krisen wohl doch verschieden erlebt werden“.10
Für die Arbeit an einem kulturhistorischen Museum bedeutet das, sowohlfinanziell als auch inhaltlich beweglich zu sein. Da die kulturpolitischenErwartungen an solche Museen allerdings nach wie vor von Leistungs-paradigmen ausgehen, die einer experimentellen, laborartigen Museumssi-tuation eher entgegenstehen und letztendlich klassische Displayformateerzwingen, gestaltet sich der Alltag in der Kulturarbeit und in Folge auchdie Visionsarbeit äußerst schwierig.
Dennoch oder vielmehr deshalb fiel im Österreichischen Museum fürVolkskunde im Jahr 2006 der Entschluss, ein Ausstellungsprojekt ins Lebenzu rufen, dessen Bezeichnung als solches schon schwierig genug war. Wasder letztendlich etablierte Titel ,, museum_inside_out. Arbeit am Gedächt-nis. Ein Diskurs- und Ausstellungsprojekt.“ auszudrücken vermochte, warein Hybrid aus Zeigen und Kommunizieren, das grafisch und architekto-nisch gestaltet in den Museumsräumen etabliert wurde. Die Direktorin desMuseums, Margot Schindler, wies in ihrer Eröffnungsrede, die im Übrigendurch Beiträge der meisten MitarbeiterInnen des Museums am Podiumergänzt wurde, auf den experimentellen Charakter und die Prozesshaftigkeitdes Unternehmens hin. Denn nicht nur die kommende Entwicklung diesesProjekts war offen. Zunächst wurde kein Enddatum festgelegt, und das Setan Objekten in den Vitrinen und Schauregalen war von vornherein dadurchdeterminiert, dass es vorerst nur die Arbeitsgrundlage für verschiedeneSammlungsarbeiten im Laufe der nächsten Wochen und Monate sein würde.Eröffnet wurde hier eine Werkstatt, in denen die meisten ,, Gewerke" desMuseums Platz hatten- ein Ort der Arbeit, der Bewegung, der Objekt- und
Psychoanalyse- Sozialforschung. Positionen, Verbindungen und Perspektiven(= Buchreihe der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde, Bd. 21). Wien2007, S. 254f.
9 Zit. nach: Greverus, Ina- Maria: Anthropologisch Reisen. Hamburg 2002, S. 16.10 Ebd., S. 17.