2008, Heft 2
Mitteilungen
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ausgefüllt und von den Querelen des institutionalisierten Kunstbetriebskontaminiert.
Bei der Diskussion um Museum und Publikum sollte nicht vergessenwerden, dass kulturhistorische Museen nicht zuletzt auf Grund ihrer For-schungsfelder und ihrer vielschichtigen Sammlungen völlig anders funktio-nieren als Kunstmuseen: Sie haben sich mit der Erzählung von Geschich-te( n) und gleichzeitig mit der Problematik von Geschichtskonstruktionauseinanderzusetzen, sie sollen gesellschaftliche Phänomene aufgreifen,sammeln und zeigen und sie müssen ihrem diversen und umfassendenObjektbestand entsprechende Pflege und Kontext angedeihen lassen.
Gottfried Korff hat es einmal so formuliert: Anders als das Kunstmuseumhat es das historische Museum mit einer Geschichte im Plural zu tun; es wendetsich in seiner Sammelpraxis allen historischen Wirklichkeitsbereichen zu.4
Um den Gegenwartsaspekt ergänzt heißt das, dass Kultur, wie sie insolchen Häusern gedacht und bearbeitet wird, ein dynamischer Prozess ist,innerhalb dessen es gilt, diesen mitzuschreiben und- soweit es die Ressour-cen ermöglichen zu thematisieren. Ausstellungen sind dort letztendlichnur ein Bereich der geleisteten Kulturarbeit. Und da sind wir wieder bei der,, Sammlung Österreich“ angelangt: Ein Großteil des stets kulturpolitischstrapazierten kulturellen Erbes dieses Landes liegt in den Depots jenerMuseen, die an der Peripherie der kulturpolitischen Aktivitäten hegen odergar aus ihnen herausfallen. Im Übrigen handelt es sich bei diesem Aufmerk-samkeitsverlust um ein ,, europäisches" Problem. Davon zeugen Stellung-nahmen und Aussagen der Kuratorenschaft mehrerer internationaler ver-wandter Museen. Diese Situation rüttelt am Selbstverständnis der traditions-reichen Institutionen, deren Handlungsraum zunehmend vom Spannungs-feld zwischen wahrnehmender Öffentlichkeit, Kulturpolitik, Bedürfnissenund Leitbild des Museums und einer sich im dynamischen Wandel befind-lichen Gesellschaft bestimmt ist. Sie sind damit nicht mehr nur sanktionierteVerwahr- und Zeigeorte historischer Dingwelten, sondern auch befragte undgeforderte Vermittler aktueller Prozesse und Werte. Hilmar Hoffmann, 1993bis 2001 Präsident des Goethe Instituts und Lehrender für Filmtheorie undKulturpolitik in Bochum, Frankfurt, Jerusalem und Tel Aviv, spricht von derZukunft als einem kulturellen Programm³ und meint damit, dass nichtTechnik und Politik entscheidend für die Zukunft sind, sondern Werte und
4 Korff, Gottfried: Zur Eigenart der Museumsdinge. In: Eberspächer, Martina u.a.( Hg.): Museumsdinge. Deponieren- Exponieren. Böhlau, Köln- Weimar- Wien2002, S. 140.
5 Hoffmann, Hilmar: Zukunft ist ein kulturelles Programm. In: Brockhaus. DieBibliothek. Kunst und Kultur, Bd. 1. Leipzig- Mannheim 1997.