2008, Heft 1
Hopgarten- Metzenseifen- Blaufuẞ
43
hin sie bis 1968 zu Fuß gehen mussten); 1980 verlor die Gemeindeihre Selbständigkeit, doch löste sie sich 1991 wieder von Kremnitz.Um 1970 war einerseits ein privater Baustopp verhängt, andererseitsder Ausbau von Blaufuß zu einem Wintersportort beschlossen wor-den: Schilifte wurden errichtet, die Gewerkschaften investierten inErholungszentren, eine Feriensiedlung entstand( deren Häuser undzeitweilige Bewohner in den offiziellen Zählungen nicht berücksich-tigt werden); ab diesem Zeitpunkt waren auch erste Kontakte zu 1946ausgesiedelten Ortsbewohnern wieder möglich.
Die daheimgebliebenen Angehörigen der deutschen Sprachgruppehatten es allerdings- zum Teil aus Angst vor Denunzianten, zum Teilaus politischer Vorsicht- anders als in Hopgarten und Metzenseifenvorgezogen, ihre nach 1945 geborenen Kinder fast ausschließlichslowakischsprachig zu erziehen, was die mündliche Kommunikationin deutscher Sprache auch mit der mittleren Generation erschwerte-einer Schätzung von Theresia Zangl zufolge sprachen 1998 nur nochacht bis neun Personen ein vor 1945 in der„, deutschen Schule"erworbenes, wenn auch mundartlich gefärbtes Hochdeutsch; die rest-lichen beherrschten nur ,, bluberrisch" oder, wenn ein Elternteil ausKuneschau stammte ,,, kuneschaierisch“.60 Insgesamt aber war dieZahl der Deutschsprachigen im Jahre 1991 aber ausreichend für dieschon erwähnte zweisprachige Ortstafel: von 55 Familien bekanntensich 18 zur ,, deutschen Nationalität“.61 Dass darunter auch Personenwaren, die uns zwar einigermaßen verstanden, aber nicht mit unssprechen konnten, sei hier immerhin erwähnt. Daraus ließe sichallenfalls ableiten, dass in Blaufuß mit seiner überalteten deutsch-sprachigen Bevölkerung mit dem Tod dieser Alten das ,, Deutschsein"ein Ende hätte. Gerade sie sahen bei unserem Besuch auch keineVorteile in der Rückgabe ihrer einstigen landwirtschaftlichen Flä-chen- sie konnten sie weder ordentlich bewirtschaften noch benötig-ten sie deren Ertrag; sie hatten, so könnte man sagen, resigniert( aberdas galt für die in ähnlichen Verhältnissen lebenden Slowakischspra-chigen derselben Altersgruppe auch).
Ein spürbares Engagement des KDV war hier nicht zu konstatieren;die Aktivitäten seiner bestehenden Ortsgruppe mit cirka 20 vor-wiegend weiblichen Mitgliedern beschränkten sich auf Singen, Tan-
60 Zangl, Theresia: Blaufuß/ Krahule. Veränderungen in einem zweisprachigen slo-wakischen Dorf von 1944-1998.( Seminararbeit) Wien 1998, S. 12.
61 Grosch, Wilhelm: Blaufuẞ( wie Anm. 54), S. 321.