Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Bockhorn, Olaf: Hopgarten – Metzenseifen – Blaufuß: Drei „deutsche“ Gemeinden in der heutigen Slowakei?

  
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Hopgarten – Metzenseifen – Blaufuß: Drei „deutsche“ Gemeinden in der heutigen Slowakei? : ein Werkstattbericht : Magdaléna Paríková zum 60. Geburtstag zugeeignet
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Olaf Bockhorn

ÖZV LXII/ 111

ten bairischen Zügen ist.56 1921 erklärten sich von 589 Einwohnern584 für ,, deutsch, 1930 von 720 715, 1940 von 849 alle 849.57 DieLage in der Mittelslowakei, in Nähe des Ausgangszentrums desAufstands von 1944, führte in Blaufuß zu einer Reihe von Übergrif-fen, Verschleppungen und Toten. 58 Nach dessen Niederschlagung undwegen der näherrückenden Ostfront kam es Ende 1944 zu im Ver-gleich mit Hopgarten und Metzenseifen umfangreichen Evakuierungen,großteils ins Sudetenland: zuerst der Schulkinder, dann der Frauen mitKleinkindern, schließlich der Frauen und jener Männer, die nicht zum,, Heimatschutz eingezogen worden waren. Außer diesen blieben weit-gehend nur zu Alte und Kränkliche sowie eine kleine Minderheit, dieweltanschaulich dem Kommunismus nahestand, im Dorf.

Nach Kriegsende wurden die Evakuierten zurückgebracht; ein Teilkam unverzüglich, der Rest im Frühjahr 1946 ins Lager Nováky. Vonden 178 Familien mit 882 Personen, die 1945 als Blaufußer galten, 59entging nur ein kleiner Teil der Aussiedlung: 121 Einwohner- Sym-pathisanten, jedenfalls aber keine Feinde der neuen politischen Mach-haber- waren es, die bleiben konnten, viele von ihnen von einemehemaligen Partisanen namens Prihoda namhaft gemacht, der inBlaufuß das Sagen hatte und Arbeitskräfte für die Feldbestellungbenötigte. Die vielen leerstehenden Häuser wurden von slowakischenFamilien, nicht nur aus der Umgebung, in Besitz genommen, dielandwirtschaftlich nutzbaren Flächen in einer Produktionsgenossen-

schaft zusammengezogen.

Der Mangel an Arbeitsplätzen führte in der Folge zu einer konti-nuierlichen und bis in die neunziger Jahre anhaltenden Abwanderung.Bestand das Dorf unmittelbar nach dem Krieg aus mehr als 130Häusern, so standen 1998 im eigentlichen Ort nur noch 49, von denenetwa 30 aus der überwiegend durch Blockbau geprägten Vorkriegszeitstammten. Diese Reduktion der Bevölkerung betraf Deutsch- undSlowakischsprachige gleichermaßen und veränderte die Ortsstrukturgrundlegend: seit 1960 ist das mehrheitlich katholische Dorf keineeigene Pfarre mehr; 1962 wurde die nach 1945 nur noch einklassigeVolksschule geschlossen, die Kinder nach Kremnitz eingeschult( wo-

56 Hanika, Josef: Siedlungsgeschichte und Lautgeographie des deutschen Haulan-des( wie Anm. 9), S. 143.

57 Grothe, Hugo: Das deutsche Volkstum der Slowakei( wie Anm. 17), S. 96.58 Grosch, Wilhelm: Blaufuß( wie Anm. 54), S. 284–289.

59 Ebenda, S. 67.