Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde111 (2008) / N.S. 62Bockhorn, Olaf: Hopgarten – Metzenseifen – Blaufuß: Drei „deutsche“ Gemeinden in der heutigen Slowakei?

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Hopgarten – Metzenseifen – Blaufuß: Drei „deutsche“ Gemeinden in der heutigen Slowakei? : ein Werkstattbericht : Magdaléna Paríková zum 60. Geburtstag zugeeignet
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Olaf Bockhorn

ÖZV LXII/ 111

derartige Vorhaben in der Tschechoslowakischen Republik kaummöglich. Anfänglich gab es weder in der tschechischen noch in derslowakischen Landeshälfte in offizieller Diktion ,, Deutsche, dennfür die verbliebenen Deutschsprachigen war die Staatsbürgerschaftmit dem Bekenntnis zur tschechischen bzw. slowakischen ,, Nation"verbunden und die Wiedererlangung bürgerlicher Rechte und dieRückgabe von 1945 enteignetem Haus- und Grundbesitz an jene, dieder Aussiedlung, oder, aus anderer Sicht, der Vertreibung entgangenwaren, erforderte diese ,, freiwillige Zuordnung. Da es daher folge-richtig gar keine, deutsche Minderheit gab, existierten für diesevorerst auch keinerlei vom Staat garantierte Minderheitenrechte wieetwa Sprachunterricht oder behördlich sanktionierter Sprachge-brauch. Die in der Slowakei gebliebenen ,, Karpatendeutschen, umdiesen von Raimund Friedrich Kaindl geprägten Ausdruck zu ver-wenden, ³ unterwarfen sich nach 1945 der notwendigen ,, Reslowa-kisierung und galten lange Zeit als ,, assimiliert", also als Angehörigeder slowakischen Nation, auch wenn sie privat weiterhin ihre deut-schen Ortsmundarten verwendeten.

An dieser Stelle ist es erforderlich, einige Sätze zur Terminologieanzubringen. In Österreich etwa, aber auch anderswo, wird von,, Volksgruppen" gesprochen, worunter das 1976 beschlossene ersteVolksgruppengesetz ,, in Teilen des Bundesgebietes beheimateteGruppen österreichischer Staatsbürger mit nichtdeutscher Mutter-sprache und eigenem Volkstum versteht.4 Es ist hier nicht der Ort,um die Diskussion um Begriffe wie ,, Volk ,,, Volkstum und, Na-tion erneut aufzugreifen; was bleibt, ist die resignative Feststellung,dass die in der Volkskunde geäußerte Kritik derartiger, Grundbegrif-fe" die gesetzgebenden Institutionen niemals erreicht hat. Wie auchimmer: ,, Volksgruppe" steht in der Alpenrepublik jedenfalls für,, sprachliche Minderheit" oder besser ,, Sprachgruppe, bei welchemBegriff ich bei den folgenden Ausführungen über die Deutschspra-chigen in der Slowakei bleiben werde. Dort allerdings ist ,, Nationali-täten( ,, národnosti) die Bezeichnung für inzwischen anerkannteSprachgruppen, so dass in der heutigen Slowakischen Republik auẞerden Mitgliedern der slowakischen auch StaatsbürgerInnen mit unga-rischer, ukrainischer, polnischer, tschechischer und deutscher ,, Na-

3 Kaindl, Raimund Friedrich: Geschichte der Deutschen in den Karpathenländern.3 Bde., Gotha 1907-1911.

4 Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich 1976/396.