Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde102 (1999) / N.S. 53Rihtman-Auguštin, Dunja: Die kroatische Ethnologie und die Herausforderungen der Neunziger Jahre

  
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Die kroatische Ethnologie und die Herausforderungen der Neunziger Jahre
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1999, Heft 4

Mitteilungen

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schichte der kroatischen Ethnologie ein ganzheitliches Bild der Ethnogra-phie in Kroatien zu entwerfen¹º.

Weitere Bemühungen im Sinne der oben erwähnten, Bringschulden sindbeispielsweise ein Buch zum Thema Weihnachten und Weichnachtsbräuche", eineStudie über das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum zu Ostern12 und eine Darstellung der kroatischenKarnevalsfeste¹³. In diesem Zusammenhang möchte ich auch das Buch ,, Hod krozgodinu erwähnen, das allerdings nicht im Sinne der ,, Schuldenbezahlung"geplant war, sondern eine Rekonstruktion kroatischer Mythen enthält.

Und schließlich könnten wir uns ebenfalls fragen, ob es denn überhauptnötig sei, diese seitens einer konservativen ethnologischen Schule verur-sachte ,, Schuldenbegleichung" auch weiterhin zu betreiben? Ich denke, daßdie künftigen Antworten auf eine solche Frage in Form kritischer Erfor-schung des hierzulande immer noch fest verankerten ethnologischen Kanonsvorliegen werden. Ein Beispiel hiefür ist die ,, Zadruga und die Familie¹³,oder die Erforschung der Volksfrömmigkeit ausschließlich als Korrelationvon Merkmalen der christlichen und vorchristlichen Kultur.

Parallel zum Forschen und Schreiben zwecks, Schuldenbezahlungkonnte auch ein intensiveres Interesse an der Erforschung theoretischerVoraussetzungen der kroatischen Ethnologie beobachtet werden. Es stelltsich die Frage, ob die kroatische Ethnologie seit ihren Anfängen als eine aufdas Volk hin orientierte Wissenschaft konzipiert sei, wie es auch weiterhinV. Belaj behauptet, oder ob sie von der Kultur als von ihrer eigentlichenGrundlage ausgehe, wie dies bereits 1897 Antun Radić anempfohlen hatte?( Mehr darüber J. Čapo: Croatian Ethnology. The Science of Peoples or theScience of Culture?, Studia etnologica 1991, 3, S. 17-25.)

Mittels der epistemologischen Forschungsarbeit sowie mit Hilfe derDekonstruktion der kroatischen Ethnologie wurden auch andere als Heraus-forderung zu betrachtende Themen erfaßt. Vor allem geht es hier um dieBewertung der ,, Moderne" bzw. des im Rahmen des Zagreber Instituts fürVolkskunde und Folkloreforschung stattfindenden ethnologischen Auf-bruchs während der siebziger Jahre einschließlich seiner späteren Nachwir-kungen. Des weiteren handelt es sich hier auch um die Erforschung dergegenseitigen Korrelation von Politik und Ethnologie.

Eine ziemlich radikale Kritik des kulturhistorischen Paradigmas setztebereits in den siebziger Jahren als Herausforderung im Hinblick auf denallgemeingültigen autoritären Kanon 16 ein. Dadurch bahnte sich die Mög-lichkeit theoretischer Pluralität an. Eine Gruppe von Ethnologen/ innender im Kommen begriffenen Generation hat das als Anregung zum theo-retischen Durchdenken dieser Problematik aufgegriffen. Die Kritik die-ser Kritik kam auf der anderen Seite bloß andeutungsweise zum Vor-schein, während sich das kulturhistorische Paradigma auch weiterhin