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Peter F. N. Hörz
ÖZV LIII/ 102
Grenzen, Marken und Raine- Begriffe und Bedeutungen
Obgleich heute überall im deutschen Sprachraum verbreitet, ist derBegriff ,, Grenze“ nicht deutscher Herkunft. Vielmehr geht dieserzurück auf den altslawischen Ausdruck grani, was soviel wie Ecke( anderen Quellen zufolge Eiche) bedeutet und von welchem sich dasrussische und polnische granica sowie das tschechische hraniceableitet.7
Im preußischen Ordensland kam der Begriff Grenze im 13. Jahr-hundert auf. Es heißt, im Verlauf der jahrhundertelangen Kämpfe desDeutschritterordens gegen dessen östliche Nachbarn sei der Ausdruckden slawischen Sprachen entlehnt worden. Im 15. Jahrhundert ge-langte das Fremdwort weiter nach Westen und wurde in der Folgedurch die in Luthers Bibelübersetzung gebrauchte Form grentze Be-standteil des gemeindeutschen Sprachgebrauchs. In Österreich findensich die ältesten Nachweise für die Verwendung des Begriffs im 16.Jahrhundert, wobei damit bis zum 18. Jahrhundert nur die„, Außen-grenze der abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischen Welt“, nicht aber die Binnengrenzen desLandes bezeichnet worden sind.'
Bevor jedoch das Wort Grenze im deutschen Sprachraum Anwen-dung gefunden hatte, bezeichnete der Terminus Mark¹º ein unwegsa-mes Waldgebiet zwischen den Siedlungsbereichen. Eine klare Schei-delinie zwischen Territorien und Flächeneinheiten wurde mit diesem
7 Der in Kluges Etymologischem Wörterbuch genannten Ecke steht eine Erläute-rung im Handwörterbuch der deutschen Rechtsgeschichte gegenüber, wonachgranica im Altslawischen ursprünglich Eiche bedeutet hat. Infolge der Verwen-dung des Baumes als Grenzzeichen sei der Terminus in der Folge für denGrenzbaum und schließlich für die Grenze im allgemeinen angewandt worden.Vgl. Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 17.Aufl. Berlin 1957, S. 269 und Hoke, R.: Grenze. In: Erler, Adalbert, EkkehardKaufmann( Hg.): Handwörterbuch der deutschen Rechtsgeschichte. Bd. I. Berlin1971, S. 1801-1804.
8 In der Form von ,, an unsrer Granizze" taucht der Begriff erstmals 1262 in einerUrkunde aus Thorn auf. Vgl. Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch derdeutschen Sprache( wie Anm. 7) sowie: Nonnenmann, Almut: Zum Wort, Gren-ze. In: Jeggle( wie Anm. 3), S. 11.
9 Burkert, Günther R.: Die Grenze als landschaftsprägendes Element. In: Kos,Wolfgang( Hg.): Die Eroberung der Landschaft. Semmering. Rax. Schneeberg.( Ausstellungskatalog). Wien 1992, S. 412-413.
10... oder vielmehr dessen alt- und mittelhochdeutsche Vorformen marha( marka)und marke.