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ÖZV LIX/ 108
genannt- konnte durch die Sammlung von Objekten der Sachkultur( Haus,Haushalt, Wirtschaft, Kleidung, Ernährung) und der geistigen Kultur( Or-namentik und Bräuche), durch die Rekonstruktion von Entstehung, Erhaltund Verfall der Objekte, durch Aufzeichnen von sog. Stammbäumen erfaßtwerden. Dies konnte durch die systematische Ansammlung von Objektenund ihren Bezeichnungen erfolgen. 10 Die Vergleichbarkeit der Objekte inRaum und Zeit fußte auf der These des kulturellen Evolutionismus, wonachähnliche umweltbedingte Gegebenheiten ähnliche technologische Lösun-gen zur Folge haben. Die Aufgabe des, ethnographischen Sammlers' wareben sein Feld so auszuwählen, dass es die, primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven“,„ urtümlichen'Zustände am besten repräsentiert, und sich dort auch nur auf diejenigenElemente zu konzentrieren, die auf die Anfänge der Geschichte und Kulturhindeuteten. Alles andere, neue, alltägliche, banale galt als uninteressant,weil eben- laut dieser Gesetzmäßigkeit – es alltäglich, überall gleichartig,also auch erkennbar war.
Eugenie Goldstern konzentrierte sich in erster Linie auf die Objekte, diediesen besonderen musealen Wert besaßen: Geräte der Wirtschaft, Beleuch-tung, einfache Spielzeuge, usw. Dort, wo sie sich eigens, von ihrer Zeit undUmwelt abweichend verhielt, und in der Methodik der Disziplin über ihreZeit hinaus Neues tat, war die langzeitliche Feldforschung. Während dieTheorie für sich beanspruchenden, ehrenvollen Herren in diesem Geschich-te- der- Menschheit- Museum sitzend, ein weit verzweigtes personelles Netz-werk durch rege Korrespondenz pflegend, sich meistens nur auf den Erwerbvon Objekten konzentrierten, verbrachte Eugenie Goldstern mehrere Mona-te, im Winter sowie im Sommer unter den Menschen, deren Objekte sieankaufte. Viele Bewohner des savoyischen Hochalpendorfes zogen in denWintermonaten vor den harten Wetterverhältnissen flüchtend in die Städte( Turin, Paris), und kamen erst für die Sommermonate ins Dorf, wo siehauptsächlich Viehzucht und im geringen Maße Landbau betrieben. Dies istEugenie Goldstern wohl aufgefallen, sie hat es jedoch nicht eigens thema-tisiert- wie später Francoise O Kane. Im Gegenteil, die Ausblendung diesesFaktums hat sie darin bestärkt, die als archaisch geltenden Objekte vor derGefahr der Modernisierung zu retten.
Um die Jahrhundertwende war es die Erforschung der Ur- Wirtschaften( ősfoglalkozások), die die ungarischen Forscher, wie z.B. Ottó Hermanbeschäftigte. Als Ur- Wirtschaft galten die wirtschaftlichen Tätigkeiten- inerster Linie Fischerei, extensive Viehzucht oder Hirtenwesen die in ihren
10 Rütimeyer, Leopold: Ur- Ethnographie der Schweiz. Ihre Relikte bis zur Gegen-wart mit prähistorischen ethnographischen Parallelen. Basel 1924. Einleitung,XIII PP.