Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde108 (2005) / N.S. 59Bellwald, Werner: „... Jahrtausende lang zäh und unveränderlich ...“

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
„... Jahrtausende lang zäh und unveränderlich ...“ : Reliktforschung in der Fortschrittseuphorie : zur wissenschaftlichen Verortung des Ethnographen Leopold Rütimeyer
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2005, Heft 2-3

Jahrtausende lang zäh und unveränderlich..."

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führenden Köpfe waren in einer Situation herangewachsen, als sich diewissenschaftliche Volkskunde eben erst institutionalisierte bzw. vondiesen Protagonisten selbst etabliert werden musste. Dass diese oft ausanderen Disziplinen stammenden Volkskundler" sich im Umgang mitZeit und Raum freier fühlten als die folgenden Generationen, ist offen-sichtlich. So hatte beispielsweise einer der pères fondateurs der österrei-chischen Volkskunde, Michael Haberlandt, indogermanische Sprach-wissenschaft studiert und hielt zunächst Vorlesungen über allgemeineund spezielle Ethnographie, primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Kunst, vergleichende Religions-wissenschaft, Ergologie der Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitiven, um sich dann ganz der Volks-kunde Österreichs zu zuwenden." 41 Der Indologe und jahrzehntelangeMitarbeiter am Naturhistorischen Museum Michael Haberlandt( sieheden vorliegenden Beitrag von Christian Feest) sah- um an das Ein-gangszitat von Rütimeyer zu erinnern ,, das Kind als eine Art Ur-mensch mit einem prähistorischen Bewusstein".42

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Über den deutschen Sprachraum hinaus finden wir volkskundlichund ethnologisch Tätige als treue Kunden dieses wissenschaftlichenSelbstbedienungsladens; ich erinnere hier nur an Eugène Pittard, denMuseumsgründer in Genf, in dessen Einkaufskorb wir nebst Urge-schichte, Sprachwissenschaft, Volkskunde, Ethnologie auch Zutatenaus anderen Fakultäten finden; auch er stand mit Rütimeyer in Kon-takt. Über den ebenfalls im frankophonen Sprachraum tätigen AndréVaragnac berichtet im vorliegenden Band der Beitrag von Klaus Beitl.Generell wurden Arbeiten dieses Zuschnitts in der damaligen Volks-kunde positiv aufgenommen: Ludwig Pfeiffer43, der steinzeitlicheTechniken bzw. Werkzeuge nicht nur experimentell und anhand ar-chäologischer Funde darstellte, sondern auch aufgrund von Ver-gleichen mit den noch existierenden einfachen Handwerkstätigkeitenoder mit musealen Objekten, wurde von Michael Haberlandt positivrezensiert.44 Prähistorisches und Ethnologisches hatte, wie wir beim

41 Grieshofer, Franz: Volkskunde: Vergleichende europäische Ethnographie. In:Ur- Ethnographie. Auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur. DieSammlung Eugenie Goldstern. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Öster-reichischen Museum für Volkskunde, Wien 2004, S. 27-28.

42 Ottenbacher, Albert: Eugenie Goldstern. Eine Biographie. Wien 1999, S. 33.43 Pfeiffer, Ludwig: Die steinzeitliche Technik und ihre Beziehungen zur Gegen-wart. Jena 1912. Ders.: Die steinzeitliche Muscheltechnik und ihre Beziehungenzur Gegenwart. Jena 1914.

44 Haberlandt, Michael: Rezensionen zu Pfeiffer in: Zeitschrift für ÖsterreichischeVolkskunde, XVIII/ 1912, S. 235 und XXI- XXII/ 1915-1916, S. 129f.