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Klaus Beitl
ÖZV LIX/ 108
Ethnographie anhand von Beispielen von bis in rezente Zeiten durch-dauernden archaischen Kulturformen belegt; ähnlich den Gegenstän-den, die Eugenie Goldstern aus verschiedenen alpinen Regionenbeigebracht hat. Darüber hinaus weist Franz Grieshofer auf denhäufig zitierten Lehrsatz von Michael Haberlandt hin-„ Um dieErforschung und Darstellung der volksthümlichen Unterschicht istes uns allein zu thun. Das eigentliche Volk, dessen primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag primitiver Wirt-schaftsbetrieb eine primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Lebensführung, ein urwüchsiger Geis-teszustand entspricht, wollen wir in seinen Naturformen erkennen,erklären und darstellen" 4 welcher im Zusammenhang mit den zuseiner Zeit herrschenden Lehrmeinungen der Berliner und WienerAnthropologie und Ethnologie zu verstehen ist. Der Arzt und Ethno-psychologe Adolf Bastian( 1826-1905) und seine„ Elementargedan-ken"( 1860) einerseits sowie Richard Andree( 1835-1912) und des-sen ,, Ethnographische Parallelen und Vergleiche“( 1878 und 1889)andrerseits sind hier anzuführen wie auch- in weiterem Zusammen-hang der englische Anthropologe, Ethnologe und Direktor desUniversitätsmuseums in Oxford Edward Burnett Tylor( 1832-1917)mit seinem zweibändigen Werk„ Primitive Glossar ::: zum Glossareintrag Primitive Culture" aus dem Jahr1871( dt. 1873), worin er für die Kulturwissenschaften die Erfor-schung von survivals postuliert hat.'
Die Maxime von Michael Haberlandt, Eugenie Goldsterns Uni-versitätslehrer in Wien, wird somit u.a. als eine mögliche theoretischeGrundlegung und Anleitung für die Auswahl ihrer Untersuchungs-gegenstände und ihrer Forschungsfelder anzunehmen sein. Diese sinddie so genannten kulturellen Retentionsgebiete vorzüglich des euro-päischen hochalpinen Raumes und die dort jeweils aufgefundenenkulturellen Relikterscheinungen.
In solchem Zusammenhang habe ich in meiner Veröffentlichungder handschriftlich nachgelassenen Aufzeichnungen von EugenieGoldstern über Verlobungs-, Hochzeits- und Bestattungsbräuche,welche die Forscherin- wohl auf Betreiben des damals in Neuchâtel( Schweiz) unterrichtenden großen französischen Folkloristen Arnold
4 Haberlandt, Michael: Zum Beginn! In: Zeitschrift für österreichische Volkskun-de, Jg. 1, 1895, S. 1-3.
5 Bastian, Adolf: Ethnische Elementargedanken in der Lehre vom Menschen, 2Bände. 1896.
6 Andree, Richard: Ethnographische Parallelen und Vergleiche. 1878.
7 Tylor, Edwar B.: Primitive Glossar ::: zum Glossareintrag Primitive Culture. 1871( dt. 1873).