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Reinhard Johler
ÖZV LIX/ 108
,, Volkskunde der Occupationsgebiete"- also von Bosnien und Her-zegowina – mit ein.21 Auch dies war ohne Zweifel politisch begrün-det, machte aber gleichzeitig auch fachimmanent Sinn. Denn diesesüdosteuropäische Erweiterung zeigte die Monarchie mit ,, ihrer bun-ten Fülle von Völkerstämmen“ als einen ,, Auszug“ der„, ethnographi-schen Mannigfaltigkeit Europas“. 22 Anders ausgedrückt: In der Mon-archie war Europa in seiner ethnographischen Vielfalt und seinergeschichtlich unterschiedlich verlaufenen bzw. vorangeschrittenenEntwicklung weitgehend repräsentiert. Vom Balkan ausgehend,konnte daher zunächst die Vielvölkermonarchie und dann Europa mitseinen großen geschichtlichen Kulturmischungen“ 23 ins Visier ge-nommen werden.
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Der Blick auf Bosnien und Herzegowina aber beförderte, gestütztauf wissenschaftliche Grundannahmen des 1892 habilitierten Ethno-graphen Michael Haberlandt, noch eine weitere für uns wichtigePerspektive der österreichischen Volkskunde, die ihr Forschungs-feld zunächst die Monarchie, dann Europa von den ,, Rändern",von der ,, primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv“ erachteten Peripherie und deren Übergangszonenher zu bestimmen begann. Dies führte sie konsequent zu den histori-schen, zu den als wenig entwickelt erachteten und damit auch zu dengeographischen ,, Randzonen“, zu den„, Rückzugsgebieten alter Kul-turformen" Europas- in die Ukraine, nach Bosnien, in der Person vonRudolf Trebitsch nach Irland, in die Bretagne, nach Sardinien und insBaskenland und eben durch Eugenie Goldstern auch ins alpine Hoch-gebirge von Savoyen und der Schweiz.
In der Zeitschrift" findet sich diese spezifische europäischeOrientierung der Wiener Volkskunde in mehreren Länder- Abhand-lungen24, im„, Museum" hatte sie durch die eigens eingerichtete,, europäische Vergleichssammlung" sogar ihren eigenen Platz be-kommen. Und diese europäische Ausrichtung ist auch von Michaelund Arthur Haberlandt bis in den Zweiten Weltkrieg hinein miteinigem Stolz vermerkt worden. So wurde etwa zum 25. Gründungs-21 Haberlandt, Michael: Vorerinnerung. In: Zeitschrift für österreichische Volks-kunde 2( 1896), S. 1–2.
22 Haberlandt, Zum Beginn( wie Anm. 19), S. 1.
23 Haberlandt, Arthur: Volkskunde und Vorgeschichte. In: Jahrbuch für historischeVolkskunde 1( 1925), S. 5-16, 5.
24 Als Übersicht noch immer hilfreich: Petak, Arthur: Register zur„, Zeitschrift fürösterreichische Volkskunde“ Jahrgang 1-24( 1895-1918) fortgesetzt als ,, WienerZeitschrift für Volkskunde" Jahrgang 25-49( 1919-1944). Wien 1944.